Obere GI-Blutung. Wann Gastroskopie?

Wer kennt nicht das Problem: Patienten stellen sich wegen Zeichen einer oberen GI-Blutung in der Notaufnahme vor und man ist sich nicht so im Klaren, wann bzw. wie der Endoskopeur entscheidet. Die konkrete Frage lautet: Ist eine frühe (12h später. Nachzulesen u.a. auch in folgender Arbeit.

Zu dieser wichtigen klinischen Frage gibt es ein paar sehr interessante Arbeiten:
In der Arbeit von Huang et al. wird in einer retrospektiven Analyse der Frage nachgegangen, ob das Legen einer Magensonde mit anschließender Spülung die Entscheidung zur frühen Endoskopie sinnvoll unterstützt. Die Untersucher und das begleitende Editorial folgern, dass über diese Vorgehensweise („Magenspülung mit Magensonde“) die sinnvolle Indikationsstellung einer sofortigen Endoskopie nicht getroffen werden kann. Dies wird auch in den einschlägigen Leitlinien nicht empfohlen. Die Abschätzung sollte in der Notaufnahme ex ante mittels z.B. dem Glasgow Blatchford-Score erfolgen (siehe auch unsere Checklist zur „oberen, nicht-Varizen GI-Blutung„).

Der Sinnhaftigkeit dieser nicht-invasiven Risikostratifizierung geht Lim-LG et al. nach. Eine wirklich sehr interessante Arbeit: Bei einem Glasgow-Blatchford >12 führt die Durchführung der umgehenden Endoskopie (in dieser Studie wurde die Endoskopie innerhalb von 12 Stunden nach Aufnahme durchgeführt) zu einer signifikanten Senkung der Krankenhaussterblichkeit betroffener Patienten (10% des Gesamtkollektivs, also nur jeder 10. unserer Patienten gehört in diese Hochrisiko-Gruppe). In diesem Hochrisikokollektiv ist eine niedrige „Presentation to Endoscopy – Time“ mit einer niedrigeren Sterblichkeit assoziiert ist.
Insbesondere die Abb. 3 der Arbeit zeigt wenig Erstaunliches: Die Krankenhausverweildauer ist bei später Endoskopie relevant länger! Hier könnte man durchaus aus meiner Sicht folgern, dass Patienten mit Hochrisiko-Situation möglichst schnell einer Endoskopie zugeführt werden sollten. Bei niedrigerem Glasgow-Blatchford Score /also <12/ führt die frühe Endoskopie zu keinem verbesserten Outcome betroffener Patienten. Aber aufpassen: auch bei Patienten mit niedrigem Score kann sich immer wieder einer verstecken, der im Verlauf sich verschlechtert und im zweiten Anlauf eine zeitnahe Abklärung benötigt (ca. 1/4 der Low-Risk Gruppe hat endoskopisch Hochrisiko-Stigmata).

Diskutieren Sie diese Arbeiten doch mit Ihren Kollegen. Wer sich weiter in diese Thematik vertiefen will, sollte die einschlägigen Guidelines durchsehen.

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