Neue Therapieoptionen bei tiefer Beinvenenthrombose?

In den letzten Jahren wurden zahlreiche Therapieoptionen bei Patienten mit tiefer Beinvenenthrombose etabliert, und dadurch die Morbidität und Mortalität betroffener Patienten reduziert. Nicht zuletzt durch die adäqute Prävention bzw. Therapie einer assoziierten Lungenembolie. Die sofortige Antikoagulation mit Heparin, LMWH bzw. moderneren Substanzen, die Überlappung mit oraler Antikoagulation (z.B. Markumar etc.) und die Verordnung von Kompressionsstrümpfen (30-40mmHg) sind heute nicht mehr wegzudenken (siehe AWMF Leitlinie, siehe US-amerikanische Leitlinie).

Betroffene Patienten ohne Hochrisikokonstellationen können ambulant behandelt werden, auch die früher praktizierte Bettruhe gehört zwischenzeitlich im Normalfall der Vergangenheit an. Eine kurze und prägnante Zusammenfassung gibt eine aktuelle Übersichtsarbeit, in der auch auf das Problem des postthrombotischen Syndroms (ca. 1/4 von Patienten mit TBVT sind davon betroffen!) eingegangen wird und mögliche gefässchirurgische Interventionen und auch pharmakologisch/mechanische Kombinationsverfahren in Aussicht gestellt werden.

Im ‚The Lancet‘ dieser Woche wird nun erstmalig eine große Studie zum Stellenwert einer katheter-basierten, lokalen Thrombolyse bei Patienten mit proximaler tiefer Beinvenenthrombose (Einschlußkriterium u.a. Thrombose der V. iliacae bzw. des ileacofemoralen Übergangs) vorgestellt: Das Risiko eines postthrombotischen
Syndroms (Assessment des PTS ist in Tab. 2 der Arbeit definiert) wird in erstaunlichem Umfang durch die CDT reduziert (absolute Risikoreduktion 14%, NNT 7)! Das bei der systemischen Lyse assoziierte erhöhte Blutungsrisiko ist bei der CDT nicht nicht nachweisbar.
Im begleitenden Editorial wird auch noch auf die Diagnostischen Probleme von proximalen TBVT eingegangen (Duplex eher schlecht, Venographie mittels CT wird in Zentren favorisiert). Auch das Stenting von Ileofemoralen Engstellen wird – trotz spärlicher Datenlage – wegen besserer rheologischer Bedingungen von Zentren diskutiert und vom
Autor empfohlen.

Was bedeutet das in der aktuellen Situation für uns? Insbesondere jüngere Patienten mit proximalen Beinvenenthrombose sollten adäquat diagnostisch aufgearbeitet werden (auch an die Diagnostik im Bereich der V. iliaca denken!), und in Abstimmung mit den Spezialisten in Zentren (z.B. Gefäßchirurgie, interventionelle Radiologen) ein differentialtherapeutisches Vorgehen geplant werden. Offensichtlich trägt ein derartiges Vorgehen bei, das mit dem postthrombotischen Syndrom verbundene individuelle Leiden in einem klinisch relevanten Umfang zu reduzieren.

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