Vorhofflimmern und noch mehr Verwirrung

Im gestrigen New England Journal ist ein interessanter Artikel zum Thema
Vorhofflimmern und Schlaganfallrisiko enthalten. Healey et al untersuchten bei über 2000 Patienten den Stellenwert von „subklinischen, paroxysmalen Episoden“ von tachykardem Vorhofflimmern in Bezug auf das Schlaganfallrisiko. Dies war möglich, in dem man die Monitoringfunktion von implantierten Schrittmachern verwendete.

Das Ergebnis bestätigt die Ergebnisse kleinerer Studien: Etwa 10% der Patienten hatten klinisch nicht bemerkte Episoden von tachykardem Vorhofflimmern von einer Dauer >6min, und dies war mit einem erhöhtem Schlaganfallrisiko assoziiert. Je länger diese Episoden, um so höher das Risiko. In den Patienten mit diesen nicht bemerkten Episoden von Vorhofflimmern war auch das Risiko, zu einem späteren Zeitpunkt klinisch bemerkbares Vorhofflimmern zu bekommen um das Fünffache erhöht.

Was bedeutet das für uns? Das begleitende Editorial geht sehr differenziert auf die verschiedenen Aspekte der Untersuchung ein. Offensichtlich gibt es Patienten mit einem Schlaganfall „unklarer Genese“ (kryptogener Schlaganfall), der auf klinisch nicht evidentes Vorhofflimmern zurückzuführen ist. Außerdem scheint paroxysmales Vorhofflimmern nicht so ungefährlich zu sein, wie während meiner Ausbildung noch vermutet. Inwieweit aus diesen Daten schon Therapieempfehlungen abgeleitet werden können, steht aber in den Sternen.

Botschaft für uns weiterhin ist, dass Patienten mit paroxysmalem bzw. permanentem Vorhofflimmern antikoaguliert werden sollten, wenn sie einen erhöhten CHADSVASC Score aufweisen. Mit diesem Score wird das prokoagulatorische Risiko abgeschätzt. Das assoziierte Blutungsrisiko ist auch beim älteren Patienten geringer als der Benefit, den die Antikoagulation mit sich bringt.

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