Calcium oder Calcium? Das ist hier die Frage …

Liebe Freunde der Notfall- und Intensivmedizin, Jan Welker hat sich mit seinem Beitrag zu Calciumpräparaten (siehe unten) in die Tiefen der Notfallmedizin gegeben (wo es offensichtlich uns so richtig Spaß und Freude macht). Lesen Sie die detaillierten und praxisrelevanten Beschreibungen! Schönen Start in die Woche! Ihr Michael Christ

Und nun zum Beitrag von Jan Welker:

Calcium (oder dessen Kation) spielt im Organismus an verschiedenen Stellen eine wichtige Rolle. Entsprechend können Calcium-Präperate in der Akutmedizin in den unterschiedlichsten Situationen indiziert sein.

So können diese zur Membranstabilisierung bei ausgeprägter Hyperkaliämie, als Inotropikum bei akuter Herzinsuffizienz/kardiogenem Schock oder auch als „Antidot“ bei einer Calciumkanalblocker-Intox zum Einsatz kommen (um nur einige zu nennen).

Basierend auf einem Podcast von Notfallmedizin-Legende Scott Weingart auf dessen Blog emcrit.org (wirklich lesens- und vor allem lesenswert!) möchte ich hier einige Unterschiede zwischen den gängigen Calciumpräperaten Calciumglukonat und Calciumchlorid aufgreifen und mit Euch diskutieren. Bei beiden ist das Ca2+ der wirksame Teil, um den es bei der Gabe des jeweiligen Präperates geht, allerdings bringt der jeweils andere Bindungspartner Unterschiede mit sich, die das Gesamtpaket (und damit dessen Eigenschaften) verändern.

Glukonat ist ein Kohlenhydrat-Anhängsel, das osmotisch wirksam ist und erst bei einem „first pass“ durch die Leber abgespalten werden muss, bevor der Calciumteil wirksam werden kann. Der Chloridteil am Calciumchlorid dagegen ist weder osmotisch wirksam, noch macht er einen Leberdurchgang notwendig, weil er bei Plasmakontakt sofort dissoziiert. Daraus resultieren einige Vorteile, die Calciumchlorid auf den ersten Blick zum cooleren Calciumpräperat machen:

Es ist potenter was den wirksamen Calciumanteil angeht (1g Calciumchlorid entsprechen ca. 3 g Calciumglukonat) und kann mangels osmotischer Eigenschaften als Bolus relativ zügig „gepushed“ werden, muss also nicht als Kurzinfusion gegeben werden. Schließlich zeichnet es sich durch einen schnelleren Wirkungseintritt aus, weil es eben nicht erst in der Leber weiterverarbeitet werden muss. Letzteres hat auch zur Folge, dass es bei schlechter Perfusionssituation, bei Herzinsuffizienz oder im Schock (wenn also die Leber wenig Blut abbekommt), trotzdem wirken kann.

Alles in allem scheint also Calciumchlorid der Punktsieger zu sein.
Einen Haken hat die Sache jedoch noch: Calciumchlorid braucht einen sicheren Zugang, also idealerweise einen ZVK oder zumindest eine großlumige (mit NaCl-Bolus getestete) Braunüle. Denn als Extravasat macht es schlimme Nekrosen und damit potentiell richtig Ärger…

Welche Erfahrungen haben Sie mit den o.g. Präperaten gemacht? Stehen beide in Ihrer Klinik zur Verfügung und wie wird bei Ihnen die Indikation für das jeweilige Medikament gestellt? Spielen o.g. theoretische Überlegungen in der Praxis überhaupt eine Rolle? Fragen über Fragen…

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