Akute Pankreatitis und Cholezystektomie

Heute ein Thema, das vermutlich mehr für die Intensivmediziner als für die Notfallmediziner von Interesse ist ….. aber trotzdem, sehr interessant!

Wann sollte ein Patient mit akuter Pankreatitis cholezystektomiert werden?
Hierzu geben die Leitlinien ein gute Hilfestellung und schlagen eine Cholezystektomie bei Patienten mit V.a. eine biliäre Genese einer akuten Pankreatitis oder bei Rezidiven einer idiopathischen akuten Pankreatitis vor. Aber wann spricht man eigentlich von einer biliären Genese? Ganz ehrlich, wie würden Sie dies klinisch definieren? Nachweis eines erweiterten DHC, Steinen, erhöhtes Bli, etc?

Dies stellt eine aktuelle Studie aus der Mayoklinik in Frage: Retrospektiv wurde das dortige Register aus dem Olmsted County analysiert. Während Patienten mit signifikant erhöhter ALAT bzw. ASAT zum Indexaufnahmezeitpunkt nach erfolgter Cholezystektomie kaum Rezidive einer A.P. nach OP aufweisen, haben Patienten mit idiopathischer A.P. (Vermutung war, das Mikrosteine als Ursache vorliegen) UND auch Patienten mit sonographisch nachgewiesenem Sludge oder Steinen aber ohne Leberwerterhöhung am Tag 1 nach stationärer Aufnahme eine unerwartet hohe Rezidivrate der akuten Pankreatitis aufweisen.

Zusammenfassend stellen die Autoren die Frage, ob wirklich jeder Patient mit akuter Pankreatitis und Gallensteinen auch ohne Leberwerterhöhung cholezystektomiert werden muss. Eine gute Kommentierung findet sich auch in Journal Watch. Offensichtlich ist die Indikation zur Cholezystektomie bei normalen Leberenzymen kritisch zu hinterfragen.

Ich finde, dies ist eine sehr interessante Arbeit, die wieder einmal aufzeigt, wie wenig wir bei manchen Krankheitsentitäten über die therapeutischen differentiellen Wege wissen.

By the way: Wir sind momentan an einer klinischen Studie zur Volumensteuerung bei akuter Pankreatitis beteiligt (Volumensteuerung mit bzw. ohne PICCO Monitorauf Intensiv). Bin gespannt, welche Ergebnisse diese multizentrische Studie der TU München beitragen wird.

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