Die Lektüre für einen regnerischen Sonntag – ED Pain Control

Patientenbeschwerden über Beschwerden. Vor allem beklagen sich Patienten während ihrer Wartezeit in der ZNA über Schmerzen (die häufig in deutschen Notaufnahmen nicht adäquat behandelt werden).

Deshalb finde ich eine aktuelle Studie zu einer „Patient Controlled Analgesia“ bei Patienten mit Bauchschmerzen ganz interessant:
Bei über 200 Patienten, die sich wegen akuter Bauchschmerzen in der Notaufnahme vorstellten, wurde zunächst 0.1mg/kg KG Morphin i.v. gegeben, anschließend die Patienten entweder nach Angaben eines Arztes behandelt, oder die Patienten konnten sich in 1mg oder 1.5mg Dosen Morphin zur weiteren Schmerztherapie kontrolliert verabreichen. Zwischen zwei Gaben war mindestens eine Pause von 6min vorgesehen.

Wie lauten die Ergebnisse? Die PCA-Gruppen hatten nach 2 Stunden signifikant weniger Schmerzen, es traten keine unerwünschten Nebenwirkungen (z.B. Apnoe, etc.) auf. Die Autoren folgern, dass diese Art der Schmerztherapie ein mögliches Konzept für ZNAs sein könnte.

Ich habe mit unserem Schmerztherapeuten noch nicht über die tatsächlichen Konsequenzen einer derartigen Vorgehensweise gesprochen, kann mir aber eine Antwort gut vorstellen: Schaut doch mal, dass bestimmte Patientengruppen mit somatisch bedingten akuten Schmerzen überhaupt eine besser standardisierte Schmerztherapie erhält. Wir haben deshalb vor kurzem einen guten Austausch, bei dem wir auf eine wirklich hervorragende Standardisierung von australischen Notfallmedizinern gekommen sind. Lesenswert!

By the way: Tramadol hat in der Notaufnahme nights zu suchen! Gutes Brechmittel, in diesem Kontext sind Opiate (vorzugsweise Morphin oder Piritramid i.v.) angesagt. Überhaupt, das WHO Stufenkonzept ist etwas für chronische Schmerzen, bei akute Schmerzen mit einer NRS>7 sollte immer mit einem Opiat begonnen werden …. vielleicht finden Sie noch interessante Informationen in diesem Artikel.

Wie haben Sie diesen Aspekt in der Notaufnahme organisiert? Bin auf Ihre Kommentare gespannt!

diesen Artikel weiterempfehlen

2 Gedanken zu „Die Lektüre für einen regnerischen Sonntag – ED Pain Control

  1. Sehr geehrter Herr Prof. Christ,
    ich folge seit einiger Zeit dem DGINA-Blog und freue mich, dass sich soetwas jetzt auch in Deutschland etabliert!
    Schon vor einiger Zeit hatte der „Master of EMCRIT“ dazu einen Post (http://emcrit.org/podcasts/gentile-pain/), indem er ähnliches vorschlägt. Nur noch einfacher / ohne jegliche Technik (aber mehr personellem Einsatz):

    „Acute pain protocol for moderate/severe pain

    Administer morphine 0.1 mg/kg IVP (If pt is > 55 y/o, substitute morphine 0.05 mg/kg IVP for this 1st dose)
    + diphenhydramine 0.5 mg/kg IVP
    7 minutes later the patient is asked, “Would you like more pain medicine?”
    If the answer is yes, give a 2nd dose of morphine 0.05 mg/kg IVP
    7 minutes later, the patient is asked again, “Would you like more pain medicine?”
    If the answer is yes, give a 3rd dose of morphine 0.05 mg/kg IVP
    This continues every 7 minutes until the patient answers “no” to the question or the patient is asleep.“

    Viele Grüße
    Sascha Berning

    • Sehr wahrer Beitrag, sehr interessanter Kommentar. Leider ist (zumindest in meinem Umfeld) die Pflege bei einem derartigen Vorgehen oft nicht im Boot, hier (allerdings auch bei vielen Kollegen) haben die Opiate leider oft noch einen schweren Stand. Hier spielt sicher auch die Bequemlichkeit eine Rolle (wer hat den BtM-Schlüssel? Hinlaufen-zurückkommen, während Nova und Paracetamol doch so einfach zur Hand sind…) . Man munkelt, dass in manchen Notaufnahme (-Bars?) auch noch sogenannte „Cocktails“ verabreicht werden 😉

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.