How to stop harming the healthy

In einem aktuellen Artikel im BMJ wird erneut das Thema „Überdiagnose, Überbehandlung, Schädigen des Patienten durch Diagnostik“ aufgegriffen. Ja durchaus ein Thema der Notaufnahme: wieviel CCTs haben Sie heute schon unnötigerweise veranlasst? Welchen Patienten haben Sie unnötigerweise Blut abgenommen bzw. unnötigen Risiken ausgesetzt?


In dem Artikel von Ray Moynihan (welches auch durch ein Editorial von der Herausgeberin begleitet wird) wird die Thematik der Überdiagnostik und der damit vermutlich verbundenen Übertherapie intensiv besprochen. Ich hatte ja diese Thematik in einem anderen Zusammenhang mal aufgegriffen und in NORE besprochen (Überdiagnostik der Lungenembolie).
Interessant finde ich die aufgestellten Hypothesen, weshalb es zu dieser Vorgehensweise der Überdiagnostik, Übertherapie und damit Schädigung des Gesunden kommt. Diese sind offensichtlich tief in unserem medizinischen Verständnis und in der von uns gelebten medizinischen Kultur verankert:
  1. Ein wichtiger Faktor ist sicherlich der technologische Fortschritt: Die verbesserte Bildgebung, die Verfügbarkeit von Technologie etc. ermöglichen überhaupt, „Pathologien“ zu identifizieren, die im weiteren Verlauf weder das Leben verkürzen noch überhaupt irgendwann „Symptome“ machen. Die Identifizierung von „leichten Erkrankungsausprägungen“ führt wiederum zum „falschen Feedback“, dass bei einer erhöhten Prävalenz der Erkrankung, die veranlasste Therapie „besser“ wirken würde. 
  2. Nicht zu unterschätzen ist, dass wir, unsere Kollegen und die Industrie in bestimmten Konstellationen davon profitieren (Selbstzuweisung, Weitere Untersuchungen werden angestossen etc.)
  3. Es werden neue Definitionen von Experten entwickelt, die die „Normalität“ pathologisieren. Siehe „Attention Deficit Hyperactivity Disorder“ … ich habe mich halt im Wald und auf den Wiesen ausgetobt, das Kind von heute, das etwas zappelt, ist bei uns schon getaggt.
  4. Der Gesetzgeber bestraft den Fehler bzw. das Übersehen von Pathologien (also die „Unterdiagnose“). Kennen Sie jemanden, der bestraft wurde, weil er zu viel Diagnostik veranlasst hat (und dabei Schäden verursacht hat)? Überdiagnostik wird nicht sanktioniert.
  5. Und dann spielt natürlich unsere intrinsische Natur eine große Rolle, wir glauben dass „mehr besser“ ist und vor allem der Glaube, dass eine möglichst frühes Erkennen von Risiken tatsächlich die Endpunkte positiv beeinflussen könnte.
Wie gesagt, ein aus meiner Sicht sehr interessanter Artikel. Zu einem früheren Zeitpunkt haben wir ja schon auf die Aktion „Choosing Wisely – Killing your darlings“ verwiesen. Meine Aufforderung: machen Sie mit, wir erwürgen uns ansonsten selbst mit der Vielzahl an Diagnostik, die wir als unabdingbar erachten und die unser System destabilisiert!

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