Statistik Update – Frühzeitig abgebrochene Studien

Wer kann sich nicht erinnern an die leidige Geschichte mit dem aktivierten Protein C …. zwischenzeitlich vom Markt genommen. Oder der präoperativen Gabe von Betablockern vor nicht-kardialen Operationen oder von der intensivierten Insulintherapie bei Intensivpatienten.
All diesen Konzepten gemeinsam ist, dass dies die Ergebnisse von frühzeitig wegen positiver Effekte abgebrochenen klinischen Studien waren. All diese Konzepte gehören zwischenzeitlich der Vergangenheit an. Nachfolgende Studien konnten zeigen, dass die Effekte dieser Studien überschätzt oder überhaupt nicht vorhanden waren. Zusammenfassend muss leider festgestellt werden, dass offensichtlich durchaus auch Patienten geschadet wurde.

Wie kommt es dazu? Nun das hat offensichtlich diverse Gründe und die liegen einmal wieder in der Statistik. Schon der bekannte Statistiker Pocock hat 1989 auf diese Probleme hingewiesen. Aber wird natürlich nicht gehört.

Von den Autoren des BMJ Artikels wird detailliert auf einige Beispiele und auch auf die zugrundeliegenden statistischen Probleme eingegangen. Offensichtlich ist ein Hauptgrund, dass eine relevante Anzahl von klinischen Endpunkten eintreten muss, so dass die Aussagekraft der klinischen Studie tatsächlich verlässlich ist. Und dies war bei den oben genannten Studien nicht adäquat berücksichtigt.

Wie kommt es dazu?
Nun, diese „Meilensteinarbeiten“ werden wegen der „Breaking News“ meist in hervorragenden Journalen publiziert, erhalten weite Verbreitung (Zeitschriften, Magazine etc.) und blockieren teilweise unabhängige Studien, die ähnlcihe Fragestellungen verfolgen. Dies bedeutet, dass der Hype von theoretischen Ideen/Visionen („availability bias“) zu einer self-fulfilling prophecy führt. Vorsicht! Extrem gefährlich! Bin selbstverständlich auch schon reingefallen. Man muss aber seine Fehler nicht zweimal machen.

Was bedeutet dies nun für uns?
Es ist zwar gut, aktuelle Entwicklungen nicht zu verschlafen, aber man muss bei der Umsetzung nicht der Erste sein. Besser ist es, die Studien kritisch zu beleuchten, diese zu diskutieren, Folgestudien abzuwarten und erst dann die notwendigen Schritte zu ergreifen. Es muss nicht jede Woche eine neue Sau durchs Dorf gejagt werden. So long ……

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