Management der neutropenen Sepsis

Neutropene Sepsis ist eine potentiell fatale Komplikation der Behandlung von malignen Erkrankungen. Während die Prävention der neutropenen Sepsis Aufgabe der betreuuenden Onkologen ist, werden wir in der Notaufnahme natürlich auch immer wieder mit betroffenen Patienten konfrontiert.Wie damit umgehen? 

In den neuen NICE Guidelines des NHS zu diesem Thema wurden aus meiner Sicht wichtige Handlungsweisen zusammengetragen. Wer sich nicht die Zeit nehmen will oder kann, die ausführlichen Dokumente zu sichten, kann wesentliche Punkte auch Zusammenfasungen entnehmen.

Aus meiner Sicht das Wichtigste ist die frühzeitige Erkennung. Dies ist bei Patienten mit Neutropenie manchmal gar nicht so einfach: durch Fehlen der Leukozyten präsentieren sich auch manche Befunde atypisch (z.B. im Rö-Thorax kein oder nur geringe Infiltrate bei Pneumonie). Wichtig ist es, die Vitalparameter komplett zu erfassen und bei jeglichem Unwohlsein von Patienten unter Tumortherapie an eine neutropene Sepsis zu denken.

Zur Risikoabschätzung der neutropenen Sepsis wird von der NICE der MASSC Score für Erwachsene empfohlen (Multinational Association for Supportive Care in Cancer):

  1. Solider Tumor oder Lymphom ohne vorangehende Pilzinfektion (n=4)
  2. Ambulanter Patient zum Zeitpunkt des Fiebers (n=3)
  3. Alter unter 65 Jahren (n=2)
  4. Krankheitssymptome: A) Keine oder leichte Symptome (n=5); B) Mittelgradige Symptome (n=3); c) Schwere Symptome (n=0)
  5. keine Hypotension (BD<90mmHg; n=5)
  6. keine COPD (n=4)
  7. keine Dyhydratation (n=3)

Wenn der initiale Status über 21 Punkte ist, hat der betroffene Patient ein niedriges Risiko für Komplikationen im Rahmen einer schweren Sepsis.

Was ist in der Notaufnahme zu leisten?

  • Innerhalb einer Stunde ist die korrekte antibiotische Therapie zu beginnen. Dies ist mit dem onkologischen Zentrum am Ort abzustimmen, bei der NICE wird Piperacillin/Tazobactam empfohlen. Achten Sie darauf, dass mindestens die erste Dosis in voller Dosierung verabreicht wird. Erst spätere Dosen an z.B. Nierenfunktionseinschränkung anpassen!
  • Umfangreiches klinisches Assessment
  • Die NICE empfiehlt auch bei Trägern von intravaskulären Kathetern keine routinemäßige Gabe von Glyoeptid Antibiotika. Dies würden wir von der klinischen Präsentation abhängig machen.
  • Intravaskuläre Katheter nicht routinemäßig entfernen, sondern zunächst die Diagnostik abwarten.
  • Die Ursache der Sepsis muss natürlich gesucht und bestätigt werden.
Den einen oder anderen Punkt werden Sie an Ihrer Klinik etwas anders handhaben. Trotzdem denke ich, dass diese Guidelines hilfreich sind, da klinisch praktisch geschrieben.

 

 

 

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