Verlegung eines Urlaubers ins Heimatkrankenhaus

Immer wieder werden Patienten aus einem Urlaubsland in das Heimatkrankenhaus in Deutschland zurückverlegt. Nicht ganz überraschend werden gelegentlich multiresistente Keime als Ursache einer Infektionserkrankung bei den betroffenen Patienten identifiziert oder eine Besiedelung der betroffenen Patienten mit multiresistenten gramnegativen Keimen festgestellt.

Vor kurzem hat die KRINKO (Kommission für Krankenhausinfektion und Infektionsprophylaxe des RKI) eine Empfehlung für die Prävention und den Umgang für die betroffenen Patienten herausgegeben. Das umfangreiche und sehr interessante Dokument können Sie hier herunterladen (zumindest zum Nachschlagen äußerst wichtig!).Was gibt es Interessantes?

Nun, die Last an multiresistenten Keimen hat insbesondere aus Hoch-Risikoländern immens zugenommen. Sowohl in den Notaufnahmen als auch auf den Intensivstationen müssen das dort tätige Personal auf derartige Situationen vorbereitet sein.

Für mich war interessant, dass die KRINKO aufgrund der Unübersichtlichkeit und den verschiedenen Möglichkeiten, Resistenzen zu definieren (Leitenzyme, Leitantibiotika, genetische Tests etc.), sich auf eine eigene Definition festgelegt, die sich klinisch praktisch an der Resistenz gegenüber 4 verschiedenen Antibiotika orientiert: 1) Acylureidopenicilline, 2) Cephalosporine der 3/4. Generation, 3) Carbapeneme und 4) Fluorchinolone:

Hier ein kurzes Zitat aus der Empfehlung:

Zur Abgrenzung von den international vorgeschlagenen Standarddefinitionen schlägt die KRINKO bewusst andere Akronyme vor: 3MRGN (Multiresistente gramnegative STäbchen mit Resistenz gegenüber 3 der 4 Antibiotikagruppen) und 4MRGN (Multiresistente gramnegative Stäbchen mit Resistenz gegen der 4 Antibiotikagruppen), wobei 4MRGN auch die Panresistenz einschließt. Ich denke, dass diese Definitionen ganz praktisch sind und in ABhängigkeit des krankheitsauslösenden Bakteriums (z.B. A. baumanii 4MRGN) spezifischen Handeln erforderlich macht.

Hilfreich ist auch folgende Tabelle, welche in Abhängigkeit von Erreger, Resistenzmuster und Häufigkeit der Infektion anderer Patienten spezifische Maßnahmen der Prävention empfiehlt.

In Abhängigkeit von Erreger und Resistenzsituation werden alleinige Basismaßnahmen (Abschnitt 6 des Dokuments) bzw. erweiterte Isolationsmaßnahmen empfohlen.

Zusammenfassend ein sehr wichtiges Dokument für alle auf Notaufnahmen und Intensivstationen tätige Mitarbeiter. Natürlich ist sehr viel Detailwissen enthalten, weshalb im konkreten Fall dieses Dokument als Nachschlagereferenz verwendet werden sollte.

Und nicht vergessen: Alle Urlaubsheimkehrer mit Aufenthalt in einem Krankenhaus der Mittelmeerländer, die hohe Resistenzraten aufweisen (z.B. Spanien, Griechenland, Türkei etc.) sollte bei Aufnahme umgehend eine Kohortenisolierung bzw. Isolierung im Einzelzimmer erfolgen.

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