Colistin intravenös für die Therapie multiresistenter gramnegativer Bakterien

Vor wenigen Tagen habe ich über die Empfehlung der KRINKO zur Therapie von multiresistenten Keimen berichtet. Zunehmend sind auch wir insbesondere durch Urlaubsrückkehrer (meist Kontakt mit Gesundheitssystemen von Mittelmeerländern) mit der Problematik gramnegativer Infektionen konfrontiert. Unser Kinderchirurg erzählte erst vor kurzem, dass zwei Kinder, die in Spanien in Urlaub waren und keinen Kontakt zum Gesundheitssystem hatten, nachfolgend bei uns wegen einer Appendicitis operiert wurden und tatsächlich 4MDRGN A. baumanii nachweisbar war.

Umso wichtiger ist, dass seit kurzem Colistin i.v. für die Therapie derartiger Erkrankungen zugelassen ist. Nachdem die Therapie mit dieser Substanz bei uns eher ungewöhnlich ist, erlaube ich mir einige Aspekte kurz hier aufzugreifen:

1) Polymyxine wurden 1947 entdeckt und sind eine Gruppe eng verwandter Antibiotika, die von verschiedenen Linien von Bacillus polymyxa synthetisiert werden. Colistin (=Polymyxin E) wird von Bacillus colistinus produziert.

2) Colistin und Polymyxin B wirken isoliert auf gramnegative Bakterien (Enterobacter, E. Coli, Klebsiella, Salmonella, Pasteurella, Bordetella und Shigella) und größtenteils auch gegen Acinetobacter und Pseudomonas. Polymyxine interagieren mit den Phospholipiden der Zellmembran und stören dadurch die Zellstruktur der Bakterien.

3) Die hohen Raten von UAWs bei Polymyxinen (z.B. Nierenversagen) liegen vermutlich daran, dass früher keine Dosisanpassungen vorgenommen werden. Dosisanpassungen bei Niereninsuffizienz ist essentiell und sind der Fachinformation zu entnehmen. Hier die entsprechende Tabelle für die Dosisanpassung bei Niereninsuffizienz:

4) Es gibt unterschiedliche Dosis-Regime. In einer aktuell publizierten Studie wurden Patienten mit Infektionen derartiger Erreger untersucht. Erfolgreich war ein Bolus mit 9MU Colistin und anschließend 4,5 MU zweimal täglich. Andere Empfehlen einen Bolus von 6MU Colistin mit anschließend 3 x 2MU Colistin als Erhaltungsdosis (siehe oben). Selbstverständlich sollte Rat bei einem in dieser Therapie erfahrenen Kollegen eingeholt werden. Leider sind Literaturangaben häufig nicht vergleichbar, da unterschiedliche Einheiten bzw. Präparationen nicht verglichen werden können. Anhaltspunkt gibt folgende Tabelle:

Meist wird Colistin mit Carbapenemen auch bei Carbapenem Resistenz kombiniert.

5) In einer Metaanalyse zur Behandlung der Ventilator-assoziierten Therapie wird die Sicherheit und Effektivität der Colistin Therapie dargestellt. Die Nephrotoxizität hält sich offensichtlich in Grenzen.

Ich hoffe sehr, dass wir derartige Therapien nur in Ausnahmefällen benötigen.

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2 Gedanken zu „Colistin intravenös für die Therapie multiresistenter gramnegativer Bakterien

    • Vielen Dank für das Lob. Wir werden auch in Zukunft versuchen unterschiedlichste Themen rund um die Notfallmedizin mit interessanten Beiträgen abzudecken.

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