Notfallmedizin Update – Management von Nierenkolik

Es ist ja nicht zu selten, dass sich Patienten mit Nierenkolik in der Notaufnahme vorstellen, die Nierensteine als Ursache haben. Typisch sind akute „kolikartige“ Flankenschmerzen, die in die Labien bzw. in das Skrotum ausstrahlen (CAVE: akute Pathologie des Hodens muss beim Mann ausgeschlossen werden!). Jetzt reicht es nicht, nur eine Analgetika-Therapie (vorzugsweise nichtsteroidale Antiphologistika wie Diclofenac, ggf. zusätzlich Opiat, z.B. auch Oxycodon dispersa 5mg s.l.) zu starten und den Patienten zur weiteren ambulanten Betreuung weiterzuleiten. Eine hervorragende Übersichtsarbeit zum Management von Nierenkoliken ist vor nicht allzu langer Zeit im British Medical Journal erschienen.

Ich möchte die wichtigsten Punkte der Arbeit wie folgt zusammenfassen:

  1. Das Risiko während des Lebens eine Nierenkolik zu erleben ist relativ hoch (12% bei Männern, 6% bei Frauen). Höheres Risiko für Nierensteine haben Personen in wärmeren Regionen bzw. Personen, die z.B. bei höheren Temperaturen arbeiten müssen (Dehydrierung!). Auch chron. Infektionen sind mögliche Ursachen für die Entstehung von Nierensteinen.
  2. Die adäquate Diagnostik der Beschwerden steht im Vordergrund. Die Beschwerden können durchaus auch mit anderen Syndromen vergesellschaftet sein (muskuloskeletale Schmerzen, Appendicitis, Cholezystitis, abdominelles Aortenaneurysam, Hodentorsion, gynäkologische Erkrankungen).
  3. Nierenkoliken werden nicht nur von Nierensteinen verursacht. Die adäquate differentialdiagnostische Abklärung muss erfolgen.
  4. Bildgebung der Wahl ist das Urolith-CT. Alternativ haben auch Sonographie (meist Notwendigkeit eines sehr versierten Kollegen) in Kombination mit einer konventionellen Röntgenaufnahme eine hohe Sensitivität und Spezifität. Die i.v. Pyelographie hat ebenfalls eine hohe Aussagekraft, ist aber zeitaufwändig.
  5. Bei unkomplizierten Nierenkoliken wird eine Bildgebung innerhalb der ersten 7 Tage nach Ereignis empfohlen. Sofortige Diagnostik und Intervention ist notwendig bei V.a. Sepsis (Fieber!), unkontrollierbaren Schmerzen, Nierenkolik bei solitärer Niere oder Transplantatniere, bilateraler Obstruktion und akutem Nierenversagen. Die Intervention kann perkutan oder urethral erfolgen.
  6. Umgehende Schmerztherapie ist eine Condition sine qua non. Es werden primär nichtsteroidale Antiphlogistika empfohlen (z.B. Diclofenac), ggf. in Kombination mit Opiaten.
  7. In den meisten Fällen ist der STeinabgang innerhalb der ersten 6 Wochen spontan (wahrscheinlicher, wenn der Stein kleiner ist (<5mm bzw. 5-10mm) und wenn er distaler liegt (höhere Rate an Abgängen wenn der Stein Harnblasen-nah gelegen ist).
  8. Zur Erleichterung des Steinabgangs wird der alpha-Blocker Tamsolusin bzw. der Calcium-Antagonist Nifedipin empfohlen.
  9. Gleichzeitig wird eine adäquate Hydrierung des Patienten empfohlen: Steine treten häufiger bei Hitze und bei Dehydratation von Patienten auf.

Ich konnte nur die wichtigsten Punkte kurz zusammenfassen. Es lohnt sich, den gesamten Artikel zu lesen. Und vielleicht suchen Sie das Gespräch mit urologischen Fachkollegen und können uns an Ihren Erfahrungen teilhaben lassen.

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