Fancy EKG – Der junge Patient mit „Chest Pain“

Asche auf mein Haupt. Ich wurde schon mehrfach in der Klinik angesprochen, um endlich die Lösung eines früheren EKG-Beispiels zu geben. Ich hatte das EKG eines Patienten mit Unwohlsein präsentiert. Der Patient hatte eine bekannte Vorgeschichte einer KHK mit Z.n. Infarkt. Rein von der Vortestwahrscheinlichkeit müssen Sie in mehr als 95% der Fälle von einer ventrikulären Tachykardie ausgehen. Und es war auch eine VT.

Da der Patient hämodynamisch wackelig war („kryptischer Schock“) haben wir uns für eine prozedurale Kurznarkose mit Etomidate entschieden und erfolgreich kardiovertiert. Anschließend wurde der Patient weiterhin im EKG monitorisiert und die Indikation zu einem AICD gestellt.
Ich stelle Ihnen heute den Fall eines 51 jährigen Patienten vor, der nach dem Nachtdienst nach Hause gegangen ist, etwa 1 Std. das Morgenprogramm im ARD angeschaut hat und anschließend zu Bett gegangen ist. Begen 09.00 Uhr dann thorakales Engegefühl, Schmerzen die in den linken Arm ausstrahlend, Schmerzskala ca. 5-6/10 Punkten, nicht atemabhängig, nicht bewegungsabhängig, kein Schweißausbruch, leichte Übelkeit, keine Luftnot.

Der Patient hat dann selbst den Blutdruck gemessen´(145/98mmHg) und den Notarzt gerufen, von diesem 500mg ASS, 5000IH Heparin und 2 Hub Nitro erhalten -> deutliche Besserung der Beschwerden, bei Ankunft in der Notaufnahme subjektiv beschwerdefrei. Laut Patient hat sich in letzter Zeit die körperliche Belastbarkeit nicht verschlechtert.

cvRF: Diabetes mellitus Typ II, pos. Familienanamnese, Raucher.

Die Vitalparameter beim Eintritt in die Notaufnahme waren unauffällig. Innerhalb von wenigen Minuten wurde – wie beim Chest Pain Algorithmus gefordert – ein 12-Kanal EKG geschrieben.

Und nun meine Fragen:

  1. Interpretieren Sie das 12-Kanal EKG
  2. Was ist die Ersttherapie, welche Arbeitshypothesen leiten Sie aus dem EKG ab.
  3. Welche weiteren Handlungen leiten Sie ab?

Und hier das 12-Kanal EKG (Schreibgeschwindigkeit 25mm/sec; HF 86/min):

 

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3 Gedanken zu „Fancy EKG – Der junge Patient mit „Chest Pain“

  1. Monomorpher ventrikulärer Rhythmus, 86/min, Steiltyp, R/R‘ in I/aVR/V3-V5(6); einzelne Sinusaktion mit normaler Konfiguration und regelrechten Zeiten

    Für einen Kammerersatzrhythmus ist es laut Lehrbuch zu schnell, für eine ventrikuläre Tachykardie zu langsam!? Na gut, scheinbar kein EKG für den unbedarften PJ. Die ECGpedia verweist mich auf einen „beschleunigten idioventrikulären Rhythmus“ (AIVR), der nach Reperfusion einer ischämischen Koronarie auftritt. Soweit ich ersehen kann, ist zwar eine AIVR mit einer schlechteren Gesamtprognose assoziiert, in der Akutsituation jedoch meist benigne und selbstlimitierend.

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