Weitere „Pearls“ die Prozesse gegen Notfallmediziner vermeiden können

Und weiter geht es mit den „Medical Malpractice Pearls“ von EMRAP:

Der Beitrag aus der Oktoberausgabe ist so immens ergiebig, dass ich beschlossen habe diesen zu trennen, hier kommt Teil 2.

Von uns Notfallmedizinern wird eine Einschätzung der Verlässlichkeit der Patienten erwartet, im Land des Prozesses gab es durchaus welche gegen Ärzte die Patienten (in diesem Falle Kinder mit Eltern mit ausreichenden kognitiven Fähigkeiten) nach Aufklärung nach Hause entlassen haben und die verklagt wurden, weil diese nicht zum „Follow-Up-if-worse“ erschienen waren. Es wurde kritisiert, dass die Ärzte diese Unzuverlässigkeit „hätten vorhersehen“ können. So weit wird es in D hoffentlich so schnell nicht kommen…

Vorsicht mit Entlassungsdiagnosen, wenn keine klare Diagnose gestellt werden konnte! Lieber den Patienten mit undifferenziertem Bauchschmerz entlassen und ein Follow-Up einstielen, als eine falsche Entlassungsdiagnose „Gastroenteritis“, die sich später als Blinddarm herausstellt…

Kleine Interventionen, kleine Aufklärung ausreichend. Keine Fünfseiter mit allen erdenklichen Komplikationen für die LP. Den Patienten mit ins Boot holen. Bei den Aufklärungen mit gesundem Menschenverstand arbeiten.

Nicht-Muttersprachler: Unsere Aufgabe ist es ein Sprachverständnis sicherzustellen. In unserem System muss es zukünftig einen flächendeckenden Service mit medizinischem Sachverstand geben. Es ist skandalös, dass dies noch nicht die Regel ist.

„Entlassung gegen ärztlichen Rat“ – nur verwenden wenn eine Entlassung klar jenseits des aktuellen Standards ist, für alle anderen Fälle ist eine ausreichende ärztliche Dokumentation ausreichend.

Wie wertvoll ist es sich auf Journalartikel zu berufen um eine Entscheidung rechtlich zu begründen? Was ist sicherer, dies oder eine Berufung auf Leitlinien der Fachgesellschaft? Klar letzteres, ein weiterer Grund dafür, dass wir als Fachgesellschaft diese Leitlinien erstellen müssen und zwar welche die an unsere reale Notaufnahmesituation angepasst sind und nicht welche die uns aus Elfenbeintürmchen der Sub-Sub-Sub-Spezialitäten diktiert werden.

 

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2 Gedanken zu „Weitere „Pearls“ die Prozesse gegen Notfallmediziner vermeiden können

  1. „Entlassung gegen ärztlichen Rat“ sollte unbedingt weiter dokumentiert werden, wenn „kurz-stationäre“ Patienten auch stationär abgerechnet werden sollen. Sonst streicht der MDK ganz schnell den stationären Satz.

    • Dies ist natürlich ein berechtigter Einwand, der speziell das deutsche Abrechnungssystem betrifft. Auf jeden Fall sollte eine entsprechende Doku erfolgen. Die für mich auch etwas überraschende Info aus dem Land der medikolegalen Klagewut war, dass die Form hierbei nur eine untergeordnete Rolle spielt. Laut den Beitragenden ist es einfach nur unerheblich ob eine Doku auf einem formalen AMA (Against Medical Advice) Papier steht, oder ob das Ganze einfach im Fliesstext der Stationsdoku erwähnt ist. Besonders wichtig ist diese Info für Situationen in denen Patienten die Unterschrift verweigern. Ich kenne allerdings auch keine Info darüber wie es um die genaue rechtliche Situation hierzu in D steht, hat da jemand mehr Infos?

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