An der Notaufnahme vorbei – Aktueller Artikel in der FAZ

In einem Artikel berichtet die FAZ über ein deutsches Herzinfarkt – Netzwerk, welches beachtliche Erfolge bei der Behandlung von Patienten mit ST-Elevationsinfarkt erzielen konnte. Das regelmäßige Treffen aller an der Versorgung von Infarktpatienten beteiligten und das kontinuierliche Feedback führen zu kürzeren Aufenthaltszeiten in der Notaufnahme und zu einer rascheren Durchführung einer Revaskularisierung.

Der Artikel bezieht sich auf einen aktuell publizierten Artikel im J Am Coll Cardiol – Cardiovascular Interventions.

Dort liest sich interessanterweise einiges etwas anders:

  • Nicht wie im FAZ-Artikel durch Dr. Fleischmann suggeriert, wurde die Notaufnahme umgangen, sondern die direkte Belieferung der Patienten in das Herzkatheterlabor erfolgte statt früher in 22% nun in 38% der Fälle. Die Aufenthaltsdauer in der Notaufnahme bei den betroffenen Patienten war signifikant niedriger.
  • Die Kontakt zu Balloon-Zeiten wurden von 129min auf 103min reduziert.
  • Resultierend aus diesem Teamapproach ergibt sich eine Senkung der Sterblichkeit betroffener Patienten. Davon profitierten insbesondere die Patienten mit einem TIMI-Risk Score >3

Was sagt uns die Studie?

  • Ein multiprofessioneller Teamansatz unterstützt, Patienten mit hohem Risiko hervorragend zu behandeln.
  • Feedback im Team ist offensichtlich der Schlüssel, um eine gute Versorgung durchzuführen.
  • Der Bypass der Notaufnahme bei Patienten mit ST-Elevationsinfarkt ist nichts Neues. Es gibt genügend Studien, die zeigen, dass Patienten mit ST-Elevationsinfarkt direkt ins Koro-Lsbor müssen. Allenfalls hilft ein Ultra-Kurzaufenthalt in der Notaufnahme, das 12-Kanal-EKG zu analysieren bzw. ein neues zu schreiben. Und dann geht es sofort ins Koro-Labor. Offensichtlich ist ein derart abgestimmtes Vorgehen in Deutschland Innovation, so dass die FAZ dies als große Errungenschaft feiert. Eigentlich sollte dies Normalität sein.
  • Interessant in diesem Paper, und hier sollte sich die Notfallmedizin in Deutschland ein Beispiel nehmen, ist das formalisierte Feedback. Offensichtlich tragen Feedback-Runden bei, um die Versorgung der Patienten zu verbessern. Dies ist die Hauptaussage der im JACC publizierten Studie. Dies konnten wir in unserem Sepsis-Projekt ebenfalls zeigen und publizieren. Und zur Sepsis gibt es diesbzgl. a „ton of papers“, welche diesen Ansatz belegt.
  • Um formalisiertes Feedback geben zu können, benötigen wir ein standardisiertes Erfassen von wichtigen Tracer-Erkrankungen. Dies muss automatisiert beim Eintreffen der Patienten erfolgen. Da haben wir noch einen weiten Weg vor uns. Ähnliches gelang z.B. auch in Seattle bzw. in Chicago mit den Reanimationsregistern. Ein großer Erfolg für diese Teams, die das Überleben von Patienten mit Out-of-Hospital Cardiac Arrest enorm steigern konnte.

diesen Artikel weiterempfehlen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.