News in Pharmacology: Cephalosporin mit Anti-MRSA Aktivität neu zugelassen

Cephalosporine werden bei vielen Infektionskrankheiten eingesetzt, bergen aber durchaus auch einige Probleme (Kreuzallergie zu Penicillinen, Selektion von C. Diff. etc.). Cephalosporine haben ihr eigenes Wirkspektrum und üblicherweise keine Wirksamkeit gegenüber MRSA. Auf der anderen Seite nimmt die Resistenz gegenüber den resistenten Problemkeimen weiter zu. Ich hatte ja bereits ausführlich zu den multiresistenten gramnegativen Keimen, welche nur noch mit Polymyxinen behandelt werden können, berichtet.

Nun wurde ein neues Cephalosporin mit Anti-MRSA Aktivität zugelassen (Ceftarolin, Handelnsname Zinforo). Dies Substanz ist auch in Deutschland klinisch einsetzbar. Was ist wichtig zu wissen?

  1. Ceftarolin ist zur parenteralen Applikation zugelassen und hat eine Zulassung bei Haut/Weichteilinfektionen bzw. ambulant erworbener Pneumonie mit MRSA (Verdacht). Es ist aktiv gegenüber MRSA, VISA, VRSA, und gegenüber Penicillin-resistenten S. pneumoniae.
  2. Die parenteral applizierte Prosdrug Ceftarolinfosamil wird durch Plasma-Phosphatasen rasch zu Ceftarolin metabolisiert (Übliche Dosierung: 600mg i.v. alle 12 Stunden, Infusionsdauer 60min). Bei einer Niereninsuffizienz mit Krea Clearance zwischen 30 und 50 ml/min ist eine Dosisanpassung auf 2x400mg durchzuführen, es gibt keine ausreichenden Daten zu schwerer Niereninsuffizienz. Bei Leberinsuffizienz sind keine Dosisanpassugnen vorzunehmen.
  3. Die meisten Untersuchungen liegen zur antiinfektiven Therapie bei Haut/Weichteilinfektionen vor. Ceftarolin wurde 5-14 Tage verabreicht. Eine interessante zusammenfassende Betrachtung finden Sie hier.  Es zeigte sich eine ähnliche Wirksamkeit wie eine Therapie mit Vancomycin und Aztreonam.
  4. Die Wirksamkeit von Ceftarolin wurde in den FOCUS-Studien gezeigt. Verglichen wurde mit einer Standardtherapie mit Ceftriaxon ggf. in Kombination mit einem Makrolidantibiotikum.
  5. Die Therapie mit Ceftarolin hat eine gute Verträglichkeit und eine gute Sicherheit.
  6. Ein Problem stellt die Selektion von Clostridium difficile wie bei allen modernen  Cephalosporinen dar. Diese traten bei Ceftarolin vergleichsweise wenig auf.
  7. Ceftarolin hat – wie zu erwarten – keine Wirksamkeit gegenüber atypischen Erregern, ESBL, MDRGN und Pseudomonas.
  8. Man vermutet aufgrund von in vitro Testreihen eine geringe Resistenzentwicklung bei Streptokokken und Staphylokokken.

Zusammenfassend denke ich, dass Ceftarolin die antiinfektiven Möglichkeiten schön ergänzt. Ceftarolin sollte indikationsgerecht eingesetzt werden und wünschenswert ist es, Ceftarolin nicht breit, sondern nur bei Bedarf, einzusetzen.

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Ein Gedanke zu „News in Pharmacology: Cephalosporin mit Anti-MRSA Aktivität neu zugelassen

  1. In der Fachinformation steht expliziet drin:
    „Es wurden keine Fälle von ambulant erworbener Pneumonie verursacht durch MRSA in die Studien eingeschlossen. Die Wirksamkeit gegenüber den Penicillin-unempfindlichen Stämmen von S. pneumoniae kann durch die vorhandenen klinischen Daten nicht begründet werden.“

    Außerdem keine schwerkranken Patienten sprich das intensivmedizinische Krankheitsgut, einschliesslich beatmeter Patienten.
    Liest sich dann so als sei es eher ein weiteres Medikament für Weichteilinfektionen, hier dann einschließlich MRSA wie es ja auch schon für das Linezolid oder das Tigecyclin der Fall ist.

    Hält man sich also streng an den Zulassungsstatus ergibt sich hinsichtlich der CAP mit diesem Medikament keine neuen therapeutischen Optionen.

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