News on Acute Heart Failure: RELAX-AHF Studie

Vor kurzem habe ich mich wieder gefragt, was in Deutschland unter „Notfallmedizin“ verstanden wird: Eigentlich nur die „Normalisierung“ von pathologisch veränderten Vitalparametern. Dass aber die ersten Schritte der Therapie maßgeblich den weiteren Verlauf der Erkrankungen von Betroffenen beeinflussen können (bestes Beispiel sind wichtige Tracerdiagnosen wie Sepsis, ACS, Stroke etc.) überträgt sich erst langsam in das Systemwissen.

Ähnlich verhält es sich aus meiner Sicht bei der Therapie der akuten Herzinsuffizienz: Die Verabreichung von hohen Dosen an Diuretika (meist Furosemid) lindert zwar die Symptomatologie „Atemnot“, ist aber mit einer erhöhten Sterblichkeit assoziiert. Vermutlich wäre die Gabe von hochdosierten Nitraten sehr wünschenswert …. aber entweder vergisst man die Applikation von Nitraten komplett oder wendet zu geringe Dosen ein (Zieldosis mit Perfusor: 6-8mg/h!!! Erst dann wird eine Wirkung auf das arterielle System erreicht!!). Zusammenfassend bin ich überzeugt, dass die frühe und korrekte Therapie der Herzinsuffizienz (niedrig dosiert Furosemid; hochdosiert Nitrate) den Krankheitsverlauf von Betroffenen positiv beeinflussen wird. Aber die Datenlage ist mau!

Gerne stelle ich Ihnen einen Algorithmus ein, den wir in diesem Zusammenhang für eine klinische Studie zur akuten Herzinsuffizienz erstellt haben (Kommentare bzw. Verbesserungsvorschläge welcome).

Nun gibt es aber etwas ganz Neues und Spannendes:

Serelaxin ist ein rekombinant hergestelltes Protein (entspricht Relaxin-2, wird physiologisch in der Schwangerschaft produziert). Wer mehr über Relaxin-2 wissen möchte kann die Übersichtsarbeiten hier bzw. hier durchschauen. In einer Phase II Studie zeigten sich ganz passable Erfolge (Abnahme von Dyspnoe, Trend zu niedriger Sterblichkeit).

Auf der Jahrestagung der AHA wurden nun die Ergebnisse der Phase III Studie vorgestellt. Diese sind bereits in Lancet publiziert und wer mehr Wissen möchte, schaut sich auch das begleitende Editorial durch.

Nun zu den Studienergebnissen: Diese sind extrem spannend, da diese vermutlich unsere zukünftigen Handlungsweisen bei akuter Herzinsuffizienz verändern werden:

  • In einer prospektiven, doppelblinden randomisierten Multicenter-Studie wurde gezeigt, dass die frühe Gabe von Serelaxin (innerhalb von 7 Stunden nach Aufnahme des Patienten) zu einer Abnahme des Symptoms „Atemnot“ führt (positive Beeinflussung von einem von zwei definierten Instrumenten zur Dyspnoe-Messung)
  • Diese Verbesserung der Symptomatologie ist mit einer positiven Veränderung von kardialen Biomarkern assoziiert.
  • Die Endpunkte Tod und kardiovaskulärer Tod im Follow-up werden durch die 48 stündige Gabe von Serelaxin ebenfalls positiv beeinflusst (relative Risikoreduktion von 37%)

Zusammenfassend sind dies sehr ermutigende Ergebnisse, die bereits im The Lancet publiziert wurden. Es gibt natürlich auch kritische Stimmen, die in hervorragender Weise in Medscape zusammengefasst wurden:

  • Es ist unklar, weshalb die Sterblichkeit reduziert wurde, die Anzahl der Rehospitalisationen nach Indexpräsentation AHF jedoch unverändert bleibt.
  • Es ist unklar, warum nur in einer Meßmethodik der Schweregrad der Dyspnoe positiv beeinflusst wurde.
  • Einige der prospektiv definierten Endpunkte wurden nicht positiv beeinflusst, trotzdem zeigt sich dann in abgeleiteten Größen positive Effekte.

Die in Medscape zitierten Spezialisten sind deshalb etwas zögerlich mit der Interpretation dieser eigentlcih genialen Ergebnisse. Dies ist aufgrund der Vorerfahrung mit z.B. PDI etc. verständlich: Hier könnte – wie bereits mehrfach erwähnt – wieder der statistische Teufel ein Spiel mit uns spielen. Das Pharmaunternehmen, das dieses Produkt auf den Markt bringen wird, wird sicherlich noch weitere klinische Studien auflegen, um auch Unkenrufen gegenüber genügend Argumente entgegenbringen zu können. Ich finde es extrem spannend: Insbesondere belegen die Ergebnisse dieser Studie auch das oben von mir postulierte Konzept, dass bei akuter Herzinsuffizienz frühzeitig die Weichen mit der richtigen Akutherapie gestellt werden müssen.

Und bitte vermitteln Sie dies auch in Ihren Bereichen: Notfallmedizin reduziert sich nicht auf die „Life-Saving Actions“ wie Intubation etc. Es gilt frühzeitig korrekt die Weichen zu stellen. Dies spielt bei zahlreichen notfallmedizinischen Themen eine große Rolle! Stay tuned …..

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3 Gedanken zu „News on Acute Heart Failure: RELAX-AHF Studie

  1. In der Studie wurden 3 Patienten-Gruppen dargestellt: 1. Relaxin, 2. Placebo, 3. Standart-Therapie. Was für der Placebo bei der AHI??? Rein Business.

    • Nein, es wurden nur 2 Gruppen untersucht: Standardtherapie und Standardtherapie plus Serelaxin über 48h i.v. Therapie. Kein Placeboarm, sondern Serelaxin wurde Placebo-kontrolliert verabreicht. Mit anderen Worten, beide randomisierten Patientengruppen haben ein i.v. Medikament über 48 Stunden erhalten, Placebo versus Serelaxin.

  2. Danke, Herr Professor.
    Aber jemand hat so „erfolgreich“ aus dem Englisch übersetzt über diese 3 Gruppen.
    Mit einfachen Worten klingt es folgenderweise: Beide Gruppen wurden mit Standart-Medikamenten behandelt und Relaxin oder Placebo wurde nur als ein Zusatz-Mittel betätigt.

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