Tod nach Entlassung aus der Notaufnahme

Ein absoluter Crash, wenn ein Patient aus der Notaufnahme entlassen wird, und aufgrund einer medizinischen Fehlentscheidung Schaden davon nimmt. Es ist völlig unklar, wie häufig dies vorkommt. Jeder weiss, dass ein fälschlicherweise entlassener Patient mit (nicht erkanntem) Myokardinfarkt eine deutliche höheres Risiko des Versterbens hat.

In Deutschland wird in den Notaufnahmen für derartige Entscheidungen (der Entlassung) Facharztkompetenz gefordert, wie häufig derartige Ereignisse vorkommen, kann jedoch aufgrund des Fehlens verlässlicher Daten nicht gesagt werden. Vermutlich handelt es sich um die von der Presse aufgegriffenen Fälle um Einzelfälle.Aus diesem Grund finde ich den in der aktuellen Ausgabe von IntensivNews erschienen Übersichtsartikel von unserem Wiener Kollegen Valentin hochinteressant. Er hat relevante Literatur zu dieser Thematik zusammengestellt:

In einer Arbeit von Gabayan GZ et al. wird aus Versicherungsdaten die Anzahl von Tod innerhalb von 7 Tagen nach Entlassung aus einem Kollektiv von 476´000 Patienten und 728´000 Entolassungen evaluiert: Es zeigten sich 50 Todesfälle auf 100´000 Entlassungen (0,05%). Leider wurde nicht dargestellt, ob derartige Todesfälle aufgrund von medizinischen Fehlern oder aufgrund von voraussehbaren Morbiditäten (z.B: Tumorerkrankungen) zurückzuführen sind. Die häufigsten Todesursachen waren Malignome, koronare Herzerkrankung sowie nicht-koronare Herzerkrankung.

Ähnliche Raten an Todesfällen fanden auch Sklar et al. mit 30 Todesfällen auf 100´000 Entlassungen bzw. Guttmann et al. mit 75 todesfällen auf 100´000 Patienten.

Insbesondere die Arbeit von Sklar finde ich hochinteressant. Die Autoren versuchten Muster zu erkennen, bei denen überhäufig derartige Ereignisse auftreten:

  1. Fehlerhafte Beurteilung bzw. fehlende Kontrolle von pathologisch veränderten Vitalparametern
  2. Korrekte Einschätzung bei chronischen Erkrankungen, ob eine akute Exazerbation vorliegt (aus meiner Sicht extrem schwierig: Beispiel ist die chronische Herzinsuffizienz)
  3. Situationen, bei denen weniger häufige Erkrankungen sich eher atypisch präsentieren (ich erinnere mich hier an eine tuberkulöse Meningitis bei einer psychiatrisch erkrankten Patientin) sowie
  4. Patienten mit psychiatrischen, mentalen oder sozialen Problemen (hierzu gehören Alkoholiker, aber auch Patienten, die z.B. der deutschen Sprache nicht mächtig sind).

Aus meiner Sicht sollte man sich diese 4 Punkte behalten und in derartigen Situationen daran denken, dass hier häufiger fehlerhafte Entscheidungen auftreten.

Schönes Wochenende!

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