Ethik in der Notfallmedizin – Über die moralische Verantwortung des Generalisten

Ein weiterer, wie ich finde sehr interessanter Beitrag meines Kollegen Thomas Plappert zur manchmal nicht so ganz einfachen Position des Generalisten zwischen immer mehr Spezialisierung.
Als Notfallmediziner stehen wir jeden Tag eingebunden in ein Netzwerk aus Patienten, deren Familien, unserer eigenen Abteilung und den anderen Kliniken, den Hausärzten und niedergelassenen Spezialisten. Als Generalisten und – das macht uns zu etwas Besonderem – Ärzte, die die komplette Anamnese des Patienten und dessen Bedürfnisse und Wünsche in einem mitunter wörtlich „stundenlangen“ Prozess erheben, stehen wir dann mitunter in einem Konflikt: da gibt es einen Facharzt, der zu einem anderen Facharzt zur gezielten Durchführung einer invasiven Maßnahme überweist. Und irgendwie beschleicht uns das Gefühl, wenngleich es sich vielleicht um Entscheidungen ausserhalb unseres „angestammten“ Fachgebietes und ausserhalb der Notfallmedizin handelt, dass das, was hier geschieht, vielleicht nicht das Beste, vielleicht nicht einmal im Sinne des Patienten ist. Was machen wir nun? Wie positionieren wir uns dazwischen? Ist es ein sinnvoller Kampf? Ist es überhaupt ein Kampf? Wer kann gewinnen, wer verlieren? Und was ist unsere Verantwortung?
Ein interessantes Paper des New England Journal von dieser Woche ist, wenn man sich die Vorzeichen ein wenig verändert vorstellt, durchaus auf die Notfallmedizin übertragbar. Und erinnert uns an das, was wir zu allererst sind: Menschen und Ärzte. Und das über Gebietsbezeichnungen, Hierarchieebenen und die wirtschaftlichen Notwendigkeiten zur Auslastung unserer Einrichtungen nicht vergessen sollten.

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Ein Gedanke zu „Ethik in der Notfallmedizin – Über die moralische Verantwortung des Generalisten

  1. Ich denke, dass dieses Thema auch keinen Halt vor Medizinstudenten macht. Hierarchiegrenzen zu überschreiten kostet viel Überwindung. Welcher Famulant traut sich schon seinen Oberarzt zu verbessern? Und wenn man sich schließlich überwunden hat, wird meist gefragt warum man nicht gleich etwas gesagt hat. Offen bleibt jedoch die Frage, wie die Reaktion ausgefallen wäre, hätte man Unrecht gehabt. Auch ein Famulant kann Fehler sehen. Aber es bleibt eine große Frage der Kollegialität und Führungsqualität, ob auch falsche Hinweise gehört werden oder ob man durch Zurechtrücken der Hackordnung dafür sorgt, dass der Student keine Meinung mehr äußert – egal ob Assistenz-, Ober- oder sogar Chefarzt.

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