Surveillance bei Infektionskrankheiten

Notaufnahmen nehmen in der Wahrnehmung bei vielen Medizinern in Deutschland noch immer einen niedrigen Stellenwert ein. Dies ist in den angelsächsischen Ländern komplett anders. Ein früherer in der Gesundheitspolitik aktiver Bundes-Politiker erzählte mir, dass er bei einem Besuch in Sidney, Australien, schon Ende der 80er Jahre hingewiesen wurde, dass die Notaufnahme das Kernstück des Krankenhauses sei. Das werden auch wir schaffen! Dauert halt noch etwas 😉

Aber ich möchte nun nicht ins allgemeine Schwelgen und Träumen verfallen. Wichtig ist mir, die Anstrengungen, die viele in der DGINA organisierten Notaufnahmen, nun tatsächlich gewürdigt werden: In einer aktuell in der DMW erschienen Arbeit zur Infektionssurveillance wird explizit auf die hervorragende Mitarbeit von Notaufnahmen verwiesen.

Diese Arbeit ist aus meiner Sicht ein Meilenstein in Deutschland: Anlassbezogen hat man beim Ausbruch von EHEC in 2011 ein System etabliert, mit dem frühzeitig schwer verlaufende Erkrankungen, die ambulant erworben sind, monitorisiert werden.

Über eine Web-gestützte Plattform bzw. ein schriftliches Abfrageblatt war es möglich, wichtige Informationsdetails zu analysieren.

Die Autoren bemerken in korrekter Art und Weise, dass der Erfolg eines derartigen Systems von der Bereitschaft der Akteure abhängt. Ich denke, dass nicht nur monetäre Faktoren eine Rolle spielen, dass die Repräsentativität nicht sehr hoch war. Aus meiner Sicht ist es zwar ein großer Erfolg, ein derartiges System anlassbezogen aufzubauen und zu realisieren, aber vielleicht könnte sich das RKI auch mal überlegen, die Hauptspieler im Gesundheitswesen so zu unterstützen, dass es einfach ist, derartige Daten zu liefern.

Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass international Forschungsprojekte laufen, in denen automatisiert Facebook Einträge bzw. EMail Kommunikation gescreent wird, um überhäufiges Auftreten von endemischen bzw. epidemischen Erkrankungen zu identifizieren. Man kann sich natürlich schon die Frage stellen, wie es hier mit dem Datenschutz aussieht …. aber das wäre jetzt eine andere Diskussion.

Ich gratuliere den Autoren für die Erstellung dieses wichtigen Artikels!

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