Anwesenheit von Angehörigen bei einer Kardiopulmonalen Reanimation

Was denken Sie, wenn Sie die Überschrift lesen? Ist er jetzt wahnsinnig geworden? Selbstverständlich schicke ich Angehörige bei der Reanimation vor die Tür!!! Aber ist dies wirklich Evidenz basiert?

Nun, diesem Thema widmet sich eine didaktisch hervorragend aufgebautes Case Szenario im New England Journal.Ich bin wirklich überrascht gewesen, dass die Anwesenheit der Familie (zumindest in der Out of Hospital Reanimation) mit extrem vielen Vorteilen assoziiert ist. ABER: In der STudie, die von den Autoren zitiert wird, war immer eine psychologisch ausgebildete Person anwesend, die die Reanimationssituation erklärt hat und die Angehörigen entsprechend unterstützt hat.

Zusammenfassend bedeutet dies zwar ein prinzipielles Umdenken, die Anwesenheit von Angehörigen bei der Reanimation der von ihnen geliebten Personen hat extrem positive Effekte. Aber eine entsprechende Begleitung ist notwendig. Und wo steht uns in Deutschland eine derartige Ressource nun wirklich zur Verfügung? Aus diesem Grund glaube ich, dass diese Konzept zwar prinzipiell hervorragend ist aber hier noch entsprechenden Veränderungen in unserer Versorgungsstruktur stattfinden muss. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt würde ich deshalb persönlcih die Angehörigen eher nicht in das Zimmer bitten, wo die Reanimation stattfindet. Vielleicht kann man ja schon erste Ausnahmen machen, wenn die Angehörigen, welche oft den plötzlichen Herztods ihrer geliebten Person beobachtet haben, bereits selbst mit Reanimationsmaßnahmen begonnen haben.

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5 Gedanken zu „Anwesenheit von Angehörigen bei einer Kardiopulmonalen Reanimation

  1. Es ist natürlich schon spannend zu lesen, dass in der Kontrollgruppe der Prozentsatz von Verwandten mit PTSD-Symptomen höher war als in der Zuschauer-Gruppe.
    Mich würde interessieren, ob es da einen Unterschied zwischen geglückten und letal endenden Reanimationen gab.

  2. Ich kenne dieses Vorgehen z.b. vom Rettungs- und Notarztdienst, wo ich schon öfters erlebt habe, dass bei einer Reanimation kurz vor dem Abbruch die Angehörigen hereingeholt wurden – wenn sie dies wünschten.
    Schwer vorstellbar ist für mich die Involvierung der Angehörigen direkt zu Beginn einer Reanimation – also zu dem Zeitpunkt wo noch intubiert, defibrilliert, nach venösen Zugängen gesucht wird und vielleicht auch noch etwas mehr „Aufregung“ herrscht, als wenn die Reanimation bereits läuft, der Patient intubiert und am Beatmungsgerät ist…

    • Ja. Es ist tatsächlich eine sehr interessante Thematik. Vor einem voreiligem Dazubitten der Angehörigen sollte aber schon darauf geachtet werden, dass die Angehörigen von einer Person entsprechend eingeführt und begleitet werden. Dies wurde ja auch in der Studie so durchgeführt.
      Deshalb sollte man sich aus meiner Sicht zum jetzigen Zeitpunkt in unserer Situation etwas zurückhalten.

  3. Erstaunlich! Obwohl das Thema schon seit 1987 diskutiert wird (mit der ersten Veröffentlichung zu diesem Thema), scheint die Diskussion erst jetzt so richtig in Deutschland anzukommen. Als Wissenschaftler, der sich seit fast 10 Jahren mit diesem Thema auseinander setzt und auf Kongresse mehr Erstaunen als Zustimmung erntet, bin ich jetzt froh, dass endlich eine randomisiert-kontrollierte Studie mit einer derart hohen Fallzahl vorliegt, die Hinweise darauf liefert, dass die Anwesenheit während der CPR positive Auswirkungen auf die Angehörigen hat. Ich fürchte allerdings, dass die Einstellung von Ärzten, Pflegekräften, Rettungspersonal noch lange nicht soweit ist, die Möglichkeit der Anwesenheit grundsätzlich in betracht zu ziehen. Interessanterweise gibt es hier sehr große Unterschiede z.B. zwischen deutschen Pflegekräften und Pflegekräften aus dem skandinavischem Raum.
    Trotz aller (nicht vorhandenen) Evidenz: das Dazubitten der Angehörigen zur Reanimation muss situationsspezifisch geregelt werden. So können beispielsweise zu enge Platzverhältnisse eine vermeintlich positive Situation schnell in das Gegenteil verkehren. Mal sehen, wohin die Diskussionsreise noch führt. Es bleibt interessant.

    • I have experienced a definite cultural difference here in Germany compared to Australia and the UK where the presence of the family during resuscitation is better accepted. In the Emergency Department in Australia we had the luxury of a social worker or nurse who could support the family and explain what was happening during the resuscitation. This was often seen as positive by the family because they saw how much effort was put in by the resuscitation team, sometimes it helped them to see that further efforts were futile and they would ask us to stop, and for parents of children requiring resuscitation it was the last time they could be with the child before they were declared dead. Sometimes the family have important pieces of information to contribute („no my father never wanted to be on a ventilator“) which we would otherwise miss when they are excluded from the room. At the last EuSEM conference in Antalya a survey on this topic was presented:

      http://www.eusem2012.org/upload/scientific_prog/eusempdf/izmir/6oct/12h00-communication/Pre0198-Seblova.pdf

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