„Laberflash“ ….. der hört ja gar nicht mehr auf zu sprechen

Ein junger, 21 jähriger Patient mit Logorrhoe stellt sich in der Notaufnahme vor. Außerdem fällt eine innere Unruhe auf. Sofort tippen Sie auf eine Intoxikation. Aber was wird es wohl sein?

Nach mehreren Gesprächen und Fragen stellt sich heraus, dass der Patient in größeren Mengen Crystal Meth konsumiert hat. Viele von Ihnen werden von dieser Droge schon gehört haben …. aber wussten Sie, dass es sich um eine „alte“ Droge aus dem Ende des 19Jhdt handelt?Crystal Meth wurde von den deutschen Temmler Werken vertrieben und insbesondere bei der Luftwaffe eingesetzt. Für einfache stereotype Tätigkeiten soll die Konzentrationsfähigkeit erhöht werden. Der Begriff „Fliegerschokolade“ (Methamphetamin ist beigemischt) war ein üblicher Begriff.

In der akutellen Ausgabe des Bayerischen Ärzteblattes ist eine sehr gute Übersicht zu Crystal Meth (es gibt noch zahlreiche andere Namen) zusammengestellt. Wussten Sie, dass der größte Kick durch Inhalation, aber auch durch nasale Applikation erreicht wird, während die orale Gabe einen verzögerten Wirkeintritt hat?

Neulich lag bei uns ein Patientin nach Intoxikation mit Crystal Meth. Wir haben gemeinsam diskutiert, dass man die Tachykardie nicht durch einen Betablocker behandeln sollte. Ähnlich wie beim Kokain kann die alpha-adrenerge Wirkung überwiegen und es dadurch zu koronarspasmen kommen. Aggressives Zuwarten mit Monitoring, evtl. Beruhigung mit Sedativa (z.B. 4mg Lorazepam, evtl. in Kombination mit einem Neuroleptikum wie z.B. Ziprasidone 10mg im oder Haloperidol) ist meist ausreichend.

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7 Gedanken zu „„Laberflash“ ….. der hört ja gar nicht mehr auf zu sprechen

      • @marcus:

        Da steht dann auch dass es gerade mal 2 Studien zur Anwendung von ß-Blockern beim Menschen mit Cocain Chest Painsyndrom (CCP) gibt mit sage und schreibe n=19 (!).
        Auch wird darauf hingewiesen dass diese Patienten bestimmt ß-Blocker bekommen, da der Arzt oft gar nicht weiss ob der Patient Cocain konsumiert hat. In einer retrospektiven Studie hatten dann 17% von 363 CCP Patienten ß-Blocker erhalten und alle hatten eine GERINGERE INZIDENZ hinsichtlich Myokardischämie….

        Also ich glaube die Daten hinsichtlich der Anwendung von ß-Blockern bei CCP beim Menschen sind doch verschwindend gering.

        “ Most data with ß-blockers in the setting of recent cocaine use are derived from case reports, animal studies and small retrospective case studies. The results are inconsistent with studies that show both improvement and worsening of hemodynamics“.
        Mayo Clin.Proc, december 2011;86 s 1203

  1. Lorazepam und Haloperidol leuchten ein.
    Aber Ziprasidon? Hat es einen Grund, warum von den neueren Antipsychotika bei Ihnen gerade das zum Einsatz kommt?

    Schöne Grüße

    Peter Teuschel

    • Wir verwenden üblicherweise Haloperidol, bzw. risperidon bzw. Olanzapin in Präparation als Schmelztabletten. Ziprasidon ist bei uns nicht eingeführt. Wir in UpToDate als mögliche Therapieoption vorgeschlagen. Haloperidol ist sicherlich am weitesten verbreitet, mit zahlreihen Erfahrungsberichten. Den neueren Antipsychotika wird ein niedrigeres NW Potential zugesprochen.
      Gruss, M Christ

      • Ziprasidon führt eher ein Schattendasein in der psychiatrischen Praxis. In der Klinik scheint es ähnlich zu sein.
        Von dem bei Einführung stark beworbenen antidepressiven Zusatzeffekt ist wenig zu sehen und für die Akutbehandlung sind nach meiner Erfahrung fast alle anderen neuen Neuroleptika besser geeignet, sofern man auf Haloperidol verzichten will.
        Hätte mich deswegen gewundert, wenn es sich für die Notfallindikation irgendwo bewährt hätte.

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