Testlauf „Famulaturprojekt der Young Emergency Doctors“

Wenn ich mich an meine Famulaturen während des Medizinstudiums erinnere, war die Tätigkeit in den Ambulanzen der Kliniken extrem spannend. Aber …. die Ärzte, die mich betreut haben, wechselten häufig. Durch die fehlende Kontinuität konnte kein nachhaltiges Vertrauen aufgebaut werden, und ich fühlte mich unterfordert.

Die YED haben dem DGINA Vorstand einen Vorschlag unterbreitet, um die Ausbildung während der Famulatur zu verbessern. Wir alle, einschließlich mir, haben gedacht, dass dies aufgrund der Anforderungen und den damit verbundenen Personalressourcen nicht realisierbar ist. Unser sehr geschätzter Kollege Martin Fandler, Klinikum Nürnberg, hat sich bereits erklärt, in einem Probelauf an unseren Notaufnahmen, dies zu testen. Das Ergebnis können Sie selber nachlesen. Ich bedanke mich für das Engagement und den Bericht!

Bericht Famulaturprojekt

Dr. Martin Fandler

 Anfang 2013 startete an der Klinik für Notfallmedizin und internistische Intensivmedizin Nürnberg ein Pilotkonzept – das „Famulaturprojekt“. Entwickelt wurde dieses Projekt in Zusammenarbeit mit den Young Emergency Doctors (YED) der Deutschen Gesellschaft für interdisziplinäre Notfall- und Intensivmedizin (DGINA) und orientiert sich am „Shadowing-Konzept“ aus dem angloamerikanischen Raum.

 

Meine Aufgabe bestand darin, das Konzept – direkte 1:1 Betreuung und enge Einbindung von Studierenden – in der klinischen Realsituation zu testen. Schnell war eine motivierte Studentin am Ende ihres Studiums als „Versuchskaninchen“ gefunden.

 

Hannah, Medizinstudentin im 10. Semester, Erlangen

„Für meine letzte Famulatur fehlte mir noch der ambulante Einsatz und so entschied ich mich, diesen in einer Notaufnahme zu absolvieren. Ich bewarb mich in der Nachbarstadt, am Klinikum Nürnberg Nord und bekam sofort eine Zusage für einen Monat. Ich erhoffte mir, vor allem mehr Erfahrung in der körperlichen Untersuchung, der ersten Beurteilung von Patienten und bei Punktionen zu sammeln. Vor auftretenden Notfallsituationen hatte ich am meisten Respekt und wurde auch gleich an meinem ersten Tag mit einer Reanimationssituation konfrontiert.

Wie meistens vor Famulaturen hatte ich etwas Befürchtungen, dass sich kein Arzt für mich so richtig zuständig fühlen wird und man etwas ziellos über die Station steuert. Meine Sorgen waren nicht ganz unbegründet, das Team bestand aus unzähligen Ärzten und Schwestern, die für zwei Notaufnahmen zuständig waren und immer hin und her wechselten, so kam es schon vor, dass man sich täglich bei unbekannten Gesichtern vorstellte.

Aber es kam wie so oft ganz anders. Bereits an meinem ersten Tag stellte sich mir ein junger Arzt vor, der mir von einem Projekt erzählte, dass er gerne forcieren würde und ich sollte das „Versuchskaninchen“ sein.“

 

Schneller als erwartet zeigten sich die Vorteile unseres Konzeptes – ich war für die Kollegin zuständig und konnte sich sehr schnell einschätzen, welche Fertigkeiten und Fähigkeiten die Studentin hatte und auch, welche Tätigkeiten sie gerne lernen würde. Dadurch wurden wir binnen weniger Tage zu einem eingespielten Team. Die Kollegin absolvierte viele Dienste, auch Nacht- und Wochenenddienste mit mir.

 

„Zunächst beobachtete ich viel und übernahm dann Stück für Stück eigene Patienten, so dass man vor allem gegen Ende hin doch einiges an Arbeit abnehmen konnte.

Mein zuständiger Arzt wusste durch die tägliche Zusammenarbeit was er mir zutrauen konnte und die Patienten, oder aufgetretene Probleme wurden zum Abschluß immer miteinander besprochen.

Dass dieses System sinnvoll war, zeigten mir die Tage an denen ich nicht mit meinem „Mentor“ unterwegs war. Durch den ständigen Schicht- und Teamwechsel traf man immer wieder auf neue Ärzte, die unterschiedlich auf einen Famulanten  reagierten.

Ich hatte also das Gefühl, dass das ganze Team von so einer Art Famulantenbetreuung profitieren würde, auch wenn einige es zunächst etwas komisch fanden, dass ich immer dem jungen Herrn Dr. hinterher rannte. ;-)“

 

Durch die enge Zusammenarbeit konnten wir uns viele Aufgaben aufteilen – und so die Geschwindigkeit mit ich mehrere Notfallpatienten parallel behandelte, deutlich erhöhen.

Insgesamt ergibt sich für mich ein extrem positives Fazit: Nicht nur konnte die Studentin eng in die klinische Tätigkeit einbezogen werden und auch zunehmend selbstständig agieren, das Arbeiten mir ihr machte sehr viel Spaß und durch die immer wieder aufkommenden – durchaus kritischen – Fragen reflektierte ich auch meine eigenen Entscheidungen und Diagnosen.

Dr. Martin Fandler, Arzt in Weiterbildung, Klinik für Notfall- und internistische Intensivmedizin, Nürnberg

Hannah, Studentin im 10. Semester Humanmedizin, Erlangen

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