Verwirrtheit reloaded

Im Rahmen unserer regelmäßig stattfindenden Mikrofortbildung in der Notfallaufnahme hat die Kollegin das Thema „Verwirrtheit“ bzw. „Delir“ aufgegriffen. Bereits zu früheren Zeitpunkten haben wir uns ja damit beschäftigt.

Ich möchte Ihnen den hervorragenden Artikel, der aus der Perspektive der Palliativmedizin geschrieben ist, nicht vorenthalten. Die wichtigsten Aspekte sind zusammengefasst dargestellt und sind auf die notfall- und intensivmedizinischen Arbeitsinhalte übertragbar. Begrifflichkeiten wie „Exsikkose“ oder „AZ-Verschlechterung“ sollten aus meiner Sicht nicht verwendet werden. Diese Begrifflichkeiten beschreiben nur unvollständig, welche Ursache dieses Symptom hat. Warum nicht – bei entsprechender Diagostik – fachlich korrekt ausdrücken: Der ältere Patient hat ein hypoaktives Delir bei einer Harnwegsinfektion. Im aktuellen „STERN“ ist das Thema auf Seite 50 kurz dargestellt 😉 

Warum ist das so wichtig? Patienten mit Delir haben eine höhere Sterblichkeit. Häufige Ursachen in der Notfallaufnahme sind:

– Infektionen

– kardiovaskuläre Erkrankungen (z.B. Myokardinfarkt!)

– Elektrolytstörungen

– Nebenwirkungen von Medikamenten (insbesonder Psychopharmaka!)

Und auch mit der Verwendung des Begriffes „Demenz“ habe ich meine Schwierigkeiten, da der Begriff inflationär und „negativ besetzt“ manchmal verwendet wird. Es gibt wie bei vielen ERkrankungen unterschiedliche Ausprägungsgrade. Patienten mit leichter Demenz sind autonom, und erfreuen sich den Schönheiten des Lebens. Warum deshalb mögliche Diagnostik oder Therapien vorenthalten?

Also …. öfters an Delir in seinen Ausprägungsformen (hyperaktiv, hypoaktiv, gemisch) denken und die organischen Ursachen abklären.

 

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Ein Gedanke zu „Verwirrtheit reloaded

  1. Vielen Dank für den Artikel.
    Ich erlebe während meiner ärztlichen Tätigkeit viel zu oft, daß gerade ältere delirante Patienten ohne jegliche adäquate somatische Abklärung in die (Geronto-)Psychiatrie abgeschoben werden, beziehungsweise nach einer langen Odyssee durch diverse somatische Kliniken (inklusive Geriatrie) in der Psychiatrie „abgeliefert“ werden – meist ohne adäquate Anmeldung oder Information, die man mit viel Glück unter Umständen von den Angehörigen erhält und gelegentlich auch mit letalem Ausgang.

    Sei es aus Überforderung der diesbezüglich miserabel bis gar nicht ausgebildeten und schlecht supervidierten Assistenzärzte, sei es weil diese Patienten arbeitsintensiv (und somit auch nicht rentabel) sind und sich auf Grund der Erkrankung nicht an die Regeln des Krankenhauses halten und den Klinikablauf stören, bzw die wenigsten somatischen Kliniken für delirante Patienten (desorientiert, weglaufgefährdet) eingerichtet sind.
    Fortbildungsangebot bezüglich Delir werden abgelehnt, weil „diese Patienten sind ja psychiatrisch“.

    Daher freue ich mich zu lesen daß es da Ausnahmen gibt.

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