Ist eine physiologische NaCl Lösung wirklich physiologisch?

Kollege Druml aus Wien ist eine der bekanntesten und exzellentesten Intensivmediziner im deutschsprachigen Raum. Empfehlenswert sind die von ihm organisierten „Wiener Intensivmedizinischen Tage“ …. aber eigentlich wollte ich etwas anderes erzählen:

Kollege Druml beschäftigt sich in den aktuellen Intensiv-News mit der Thematik „un-physiologisches NaCl und Niere“. Er bezeichnet 0.9% NaCl nicht als DIE Lösung, sondern DAS Problem.

Wie bereits zu einem früheren Zeitpunkt in Intensiv-News besprochen, sollte 0.9% NaCl als Standard-Lösung beim kritisch Kranken Patienten nicht mehr angewendet werden. Sehr interessant ist hierbei die Studie von Yunos-NM aus dem JAMA:

In dieser australischen Studie wurden zwei halbjährige Perioden der Behandlung verglichen: einmal die Gabe von 0.9% NaCl, dann die Gabe einer bilanzierten Elektrolyt-Lösung. Patienten aus der ersten Periode hatten eine signifikant höheren Anteil von akutem Nierenversagen.

Chlorid-reiche Lösungen führen nicht nur zur hyperchlorämischen Azidose und den multiplen, schon lange beschriebenen Nebenwirkungen, sondern auch zu schwerwiegenden Änderungen der Nierenfunktion. Chlorid gilt als renaler Vasokonstriktor.

Zusammenfassend sollte man auf die Gabe von 0.9% NaCl in der Akut- und Notfallmedizin verzichten! Die diskutierte „Hyperkaliämie“ bei bilanzierten Lösungen tritt weniger häufig auf wie bei 0.9% NaCl – bedingt durch die NaCl bedingte Veränderung der Nierenfunktion.

 

 

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2 Gedanken zu „Ist eine physiologische NaCl Lösung wirklich physiologisch?

  1. Es gibt immer noch keine zuverlässigen Angaben, dass Kochsalzlösung punkto Mortalität und Morbidität weniger gut als Kochsalzlösung ist; insbesondere die Nierenschädigung ist umstritten, zumal es sich hier eher um eine Osmolaritätsproblem handeln dürfte: Es gibt also Gründe für Ringerlaktat/acetat aber keine wirklichen gegen Kochsalzlösung, die hyperchloräme Azidose z.B. ist zwar manchamal da, schadet aber wahrschnlich nicht.

  2. Dazu bringe ich gern das Beispiel eines Patienten mit Erstmanifestation eines Typ 1 Diabetes und leichter diabetischer Ketoazidose, der mit einem pH von 7,31 (kapilläre BA) stationär aufgenommen wurde. Er erhielt primär 1l NaCl bei laufendem Actrapidperfusor. Interessant in dem Zusammenhang war, dass sich zwar bei besserer BZ-Kontrolle der pH besserte (7,33 in der kap. BA), aber das auch nur, weil der Patient die Azidose respiratorisch besser kompensieren konnte. Das unterstreicht für mich die Argumentation, NaCl bei metab. Azidose nicht anzuwenden.

    In Hinblick auf div. Publikationen und Empfehlungen aus dem NEJM bzw. Lehrbüchern ist „physiologische“ Kochsalzlösung dzt. für mich die letzte Wahl geworden… (mit Ausnahme der Indikation: Hyponatriämie)

    Wie sieht es eigentlich mit „Halblösungen“ aus, also 0,45%iger NaCl-Lösung bei metabolischer Azidose – d.h. halb 0,9%ige NaCl, halb 5%ige Glucose (bei uns als „Mischinfusion“ in Anwendung? Eigentlich müsste die freie Glucose ja rein ins Interstitium diffundieren… – gibt es dahingehend Erfahrungen?

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