Start Thinking: Kann man Leitlinien vertrauen?

Das British Medical Journal greift in einer der letzten Ausgaben eine ganz große Nummer auf: Es wird die Wertigkeit und Güte von medizinischen Leitlinien äußerst kritisch hinterfragt:

In Deutschland groß propagiert: Schlaganfallnetzwerke schießen aus dem Boden, die Thrombolyse wird von Fachgesellschaften propagiert: Im Deutschen Ärzteblatt wurden die Ergebnisse der IST-3 Studie äußerst positiv beschrieben. Liest man die Originalarbeit, so zeigt sich zwischen Thrombolyse innerhalb von 6h nach SChlaganfall kein Vorteil der Thrombolyse. Im Gegenteil: Die Anzahl der Todesfälle und die Anzahl der fatalen und nicht-fatalen intrazerebralen Blutungen sind signifikant erhöht. Wie werden im Deutschen Ärzteblatt die Fachleute zitiert: Die Thrombolyse stellt den Durchbruch dar!  In einer aktuellen Studie im Lancet Neurol werden nun Langzeitergebnisse der IST-3 Studie präsentiert. Die Sterblichkeit ist zwischen den Gruppen ist nach 18 Monaten Nachbeobachtung vergleichbar. Das neurologische Outcome und auch die Lebensqualität sind offensichtlich in der Thrombolysegruppe signifikant besser. Zur Thermatik intrazerebrale Blutung werden keine Daten vorgestellt.

Das BMJ greift nun auch diese Thematik auf und verweist auf die große Anzahl von Daten industriegesponsorter Studien, welche nicht publiziert wurden und die möglicherweise zu einer anderen Interpretation diverser medizinischer Probleme hinweisen könnten. Es wird die Hypothese einer Beeinflussung von Publikationen durch Sponsoring aus der Industrie vorgetragen. Gleichzeitig recherchieren die Journalisten des BMJ die Entstehung z.B. der Schlaganfall Leitlinie: Nur 2 von 12 Studien zum Stellenwert der Thrombolyse zeigen positive Effekte in der Verum-Gruppe. Nahezu ALLE Teilnehmer der Leitlinienkonferenz haben enge Beziehungen zu den Herzstellern der Alteplase. Es wird von den Redakteuren des BMJ wie bereits auch von anderen Fachgruppen gefordert, dass unabhängige Autoren bei der Entstehung von Leitlinien mitarbeiten sollten. BMJ unterstützt u.a. auch eine OPEN DATA Campaign.

Aus meiner Sicht ein hoch problematisches Thema. Lässt sich gut in die Reihe anderer Dinge einordnen. Gestern haben wir ja bereits von den Diskussionen bzgl. Facharzt Notfallmedizin in Deutschland gehört. Hier versuchen verschiedene Gruppen ihre Interesse vorzutragen. Ob diese zum Wohl der Patienten sind, scheint eher nachrangig zu sein. Die DIVI holt aktuell zu einer erneuten Darstellung aus … offensichtlich hat die Vertreterin der DIVI, Prof. Muhl, ihre Meinung in der ARD Sendung nicht ganz rüberbringen können. 😉

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