Life-or-limb-saving-procedures: Spektakuläre Lebensrettung mit präklinischer Thorakotomie

Erst vor kurzem veröffentlichte ich den ersten Blogpost in der „Worst-Case“-Reihe, eine Zusammenfassung der Informationen zur Reanimation von schwangeren Patientinnen und der Option Notfallkaiserschnitt (Don’t Cut the Baby). Als kleinen Vorgeschmack auf den nächsten Beitrag in der Worst-Case-Reihe möchte ich Sie auf einen spektakulären Fallbericht aus meiner Heimatstadt Graz (Ö) hinweisen: Puchwein et al beschreiben die erfolgreiche, lebensrettende präklinische Thorakotomie bei einem 17jährigen Patienten mit multiplen Messerstichverletzungen (Puchwein et.al. Unfallchirurg). Lesenswert!

Gleichzeitig bestärkt dies meiner Meinung nach die Argumentation, dass Notfallmediziner in der Klinik und Rettungsmediziner in der Präklinik auf derartige Worst-Case-Situationen vorbereitet sein müssen. Auch wenn es kaum möglich ist, alle relevanten Worst-Case-Szenarien perfekt zu simulieren oder vorab mehrfach unter Anleitung zu bewältigen, müssen die mentalen Checklisten bereitliegen. Wenn so etwas tatsächlich passiert, ist meist nicht mehr viel Zeit, darüber nachzudenken – es muss sofort gehandelt werden. Auch wenn der Patient wie so oft um 5:00 Früh ankommt und die Assistenzärztin im ersten Jahr in der Notaufnahme alleine Dienst schiebt…

 

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3 Gedanken zu „Life-or-limb-saving-procedures: Spektakuläre Lebensrettung mit präklinischer Thorakotomie

  1. Hallo Herr Fandler,

    ja das sehe ich genauso.

    Hier in Australien wird es folgendermassen gehandhabt:
    1. Theorie mit Video und Erklaerung durch den Traumatologen
    2. Danach ab ins animal lab-> praktizieren an intubierten und sedierten Windhunden. (Clamshell und linksseitige thoracotomy)

    Anmerkung, das gilt auch fuer die worst case szenarien hinsichtlich airway. Das wird bei uns and schafen und Menschen praktiziert.

    Lebensnaher geht es nicht glaub ich.

    Hnsichtlich Thoracotomy: Man muss immer bedenken, dass es jemanden geben muss der nach dem x-clamping, der offenen pericardiocentese oder „flicken des loches“ im Ventrikel uebernehmen muss.
    Dies macht also fast nur sinn wenn der Thoraxchirurg innerhalb kuerzester zeit im haus sein kann (oder besser ein altassistent immer im haus ist).

    Aber, eine Thoracotomy durchzufuehren als last resource kann nur hilfreich sein-vor allen Dingen fuer die eigene Erfahrung und ab und zu auch fuer den Patienten.
    Im Royal Perth Hospital machen wir vllt 10/Jahr, in meiner zeit hier hat es niemand ueberlebt.

    See Ya
    Stephan

  2. Da mich das Thema auch interessiert habe ich vor langen mal im Internet dazu ein wenig recherchiert, hauptsächlich um herauszufinden, wie eine ER-Thorakotomie durchgeführt wird – dabei hab ich dann doch wenige, aber dafür gute Videos gefunden.
    Das erste ist eine „Trockenübung“ an einer Leiche. Da diese für Präparationszwecke vorbehandelt ist kann man sehr gut die technischen Aspekte der ER-Thorakotomie sehen, insbesondere die Anatomie…https://umem.org/page/education/residency/videos_procedures

    Und das zweite Video ist ein Mitschnitt, bei dem die ER-Thorakotomie bei einer echten Trauma-Reanimations durchgeführt wird. Man kann deutlich sehen, dass es doch Unterschiede zur „Übung“ gibt…
    http://www.youtube.com/watch?v=8BlPxQI2C90

    Zum Schluss noch eine eigene Anmerkung: Ich finde, dass das die Thematik in ihrer Anwendung in deutschsprachigen Raum, dh. ohne einem etablierten Fach Notfallmedizin noch sehr schwer wird. Traumatologische Notfälle sind leider immernoch eine Domäne der Anästhesiologie und der Unfallchirurgie. Dies wird dadurch noch weiter unterstrichen, dass sogar ATLS Kurse vornehmlich an dieses Klientel gerichtet ist; von Kursformaten die Definitice Surgical Trauma care ganz zu schweigen; diese sind explizit nur an Chirurgen gerichtet (http://www.dgu-online.de/bildung/fortbildung/definitive-surgical-trauma-care-dstc.html). Inwiefern man also als nicht-chirurgischer vorgebildeter Notfallmediziner eine ER-Thorakotomie in der Klinik durchführen kann/Könnte, mal abgesehen von der technischen Seite her, wag ich zu bezweifeln. Letztlich hat ist der Autor Puchwein ein ausgebildeter Unfallchirurg, welcher ein Definitive Surgical Trauma Care Kurs belegt hat.
    Und dann gilt noch zu bedenken, dass selbst nach erfolgreicher Thorakotomie die Post-Reanimationsversorgung sich auch sehr aufwändig gestaltet. Nicht jede Klinik verfügt über eine Herzchirurgie, welche penetrierende Herzverletzungen gleich definitive versorgen kann. Somit muss man auch die lokalen Begebenheiten bei einem derartigen Eingriff versorgen…

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