Quality Reloaded … Wie können wir weiter vorankommen

Vor kurzem haben wir eine mögliche Verbesserung der Patientenversorgung während der Frühbesprechung in unserem Team diskutiert. Zwei Dinge sind mir dabei durch den Kopf gegangen: 1) Weshalb werden diese Aspekte immer aktiv von mir oder den Oberärzten angesprochen und eingefordert ? 2) Weshalb wird in diesen Diskussion immer in den Raum gestellt „… man könnte doch dies so oder so machen ….“ und dieses „man“ bleibt prinzipiell bei den Oberärzten oder mir hängen. Offensichtlich fällt es unserem (und vielleicht vielen anderen) Systemen sehr schwer, aus dem bisherigen beschaulichen Weg zu kommen und ein optimales Arbeitsumfeld aktiv durch jedes Teammitglied zu gestalten. Dann lese ich das aktuelle NEJM …. und stelle fest, wir sind nicht alleine: In einem spannenden, frei zugänglichen Artikel mit dem Titel „Improving Clinical Learning Environments for Tomorrow’s Physicians“ wird eine ähnliche Beobachtung angesprochen, deren Ursachen und mögliche Lösungen diskutiert. In „on site“ Audits der für die Ausbildung zuständigen Behörde wird beobachtet, dass Aspekte wie Steigerung der Qualität der Versorgung zwar von vielen Kollegen in Weiterbildung beobachtet werden, aber kein „aktiver Beitrag“ zu Verbesserung der Arbeits- und Versorgungsbedingungen stattfindet. Der „System basierende“ Ansatz einer weiteren Qualitätsverbesserung in der Patientenversorgung wird von vielen Ärzten in Weiterbildung nicht aktiv gelebt. Dies ist aber einer der Kernelemente der Kompetenzziele, die sich diese Behörde gesetzt hat. Die Beobachtung lautet, dass sich die jungen ärztlichen Kollegen stark auf die Betreuung des individuellen Patienten fokussieren, aber nicht die Faktoren der Arbeitsumgebung bewerten und Verbesserungsmöglichkeiten erkennen, welche wiederum die individuelle Patientenversorgung verbessern helfen.

Ich finde die Diskussion derartiger Beobachtung für sehr spannend und relevant. Leider sind in Deutschland derartige Betrachtungsweisen noch unzureichend berücksichtigt, aber erste Ansätze sind durch die systematische „Beurteilung der Weiterbildungsstätten“ schon zu erkennen. Vielleicht wäre auch eine Verständigung auf übergeordnete Weiterbildungsziele wie Patientensicherheit, Qualität in der Medizin, Professionalisierung etc. ein möglicher Weg die Einstellung zu verändern. Obwohl etwas trocken, so ist die offizielle Webseite der amerikanischen Weiterbildungsbehörde durchsehenswert.

Hier kurz die sechs Missionen dieser Gruppe:

CLER assesses sponsoring institutions in the following six focus areas:

  • Patient Safety – including opportunities for residents to report errors, unsafe conditions, and near misses, and to participate in inter-professional teams to promote and enhance safe care.
  • Quality Improvement – including how sponsoring institutions engage residents in the use of data to improve systems of care, reduce health care disparities and improve patient outcomes.
  • Transitions in Care – including how sponsoring institutions demonstrate effective standardization and oversight of transitions of care.
  • Supervision – including how sponsoring institutions maintain and oversee policies of supervision concordant with ACGME requirements in an environment at both the institutional and program level that assures the absence of retribution.
  • Duty Hours Oversight, Fatigue Management and Mitigation – including how sponsoring institutions: (i) demonstrate effective and meaningful oversight of duty hours across all residency programs institution-wide; (ii) design systems and provide settings that facilitate fatigue management and mitigation; and (iii) provide effective education of faculty members and residents in sleep, fatigue recognition, and fatigue mitigation.
  • Professionalism—with regard to how sponsoring institutions educate for professionalism, monitor behavior on the part of residents and faculty and respond to issues concerning: (i) accurate reporting of program information; (ii) integrity in fulfilling educational and professional responsibilities; and (iii) veracity in scholarly pursuits.

 

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2 Gedanken zu „Quality Reloaded … Wie können wir weiter vorankommen

  1. Genau hier liegt das Problem: es sind die jungen Kollegen, die die direkte Arbeit erledigen, sie sind die „Experten“ für die Schwächen unserer Systeme, weil sie sie täglich erleben! Unser Blick ist oft getrübt vom „das haben wir schon immer so gemacht“, „das geht nicht anders, weil XYZ das so will“, „dafür ist noch nie Geld da gewesen“. Und das entscheidende ist eine Abteilungskultur, die diese Informationen abholt. Wenn ich als Oberarzt mit dem Rea-Team komme erfahre ich nicht selbstverständlich, dass der Ambu-Beutel am Anfang nicht griffbereit lag oder dass der Patient nicht am Monitor war, weil wir einfach zu wenige haben, etc.. Das erfahre ich nur, wenn ich es erfrage und wenn die Kollegen das Gefühl haben, dass sich etwas ändern kann, dass sie mit diesem Gespräch, mit diesem Hinweis etwas ändern können!
    Wenn wir uns fragen, warum so wenige junge Ärzte aktiv an der Strukturierung unserer Abteilungen mitarbeiten und sich über die Patientenversorgung hinaus einbringen, dann lohnt sich ein Blick auf die Homepages unserer Kliniken:
    „Das Team“ besteht dort doch in der Regel aus dem Chef- und den Oberärzten. Wenn wir uns nicht die Mühe machen, die Ärzte in Weiterbildung dort als Teil des Teams, als Teil der Klinik zu präsentieren, erleben wir sie vielleicht auch gar nicht als solche…
    Beste Grüße von der sonnigen Ostsee!

  2. Man muss auch mal realistisch bleiben, was der Weiterbildungsassistent alles gleichzeitig in den ersten Jahren lernen muss:
    Schnell chirurgische Erfahrung sammeln.
    Schnell internistische Erfahrung sammeln.
    Schnell neurologische Erfahrung sammeln.
    Ultraschall bzgl. der dringenden chirurgischen Fragestellungen
    Ultraschall bzgl. der dringenden internistischen Fragestellungen
    Ultraschall Herz bzgl. Perikardtamponaden, (Herzechoberechnungen sicher nicht primär nötig für die Anfangstätigkeit in der Notaufnahme)
    Röntgen akut bzgl. Traumatologie
    Röntgen bzgl. Innere Fragestellung Thorax / Herz. D.h. Verschattungen, Stasebild
    Schnelles Gewinnen von Blut und sicherer venöser Zugang (leider oft noch ärztl. Aufgabe)
    Eigenständige Wundversorgung
    Aktueller Kurs Reanimation / ACLS
    ATLS
    eventuell ABS (Advanced Burn LS)
    Röntgen Grund / Spezialkurs
    Sichere und schnelle Anamneseerhebung und zügiges Schreiben eines Aufnahmebefundes, ohne den Rahmen zu sprengen
    Standard medik. Therapieschemata des jeweiligen Hauses zu den jeweiligen Erkrankungen

    So, und dann sollen diese Berufsanfänger sich (mit wem?) in Arbeitsgruppen setzen und Problemlösungen ausarbeiten? Das Weiterleiten von Informationen über Probleme -> Ja! Das MUSS JEDEM ermöglicht werden. Aber die wenigen freien Minuten der ersten Jahre gehören INTENSIV der Ausbildung und Erfahrungssammlung gewidmet. Das ist eine Bringeschuld der entsprechenden Leitung / Oberärzte. Wie schwer man es als FA für Notfallmedizin hat, merkt man beim Lesen der Kommentare bei DocCheck zum FA für Notfallmedizin. „Nur ein Chirurg kann die Indikation zur OP stellen.“ Und da gilt es, schnell eine ordentliche fachliche Basis zu schaffen, um gegen solche Borniertheit anzukommen und nicht die Anfänger gegen eine Fachdisziplin zu verlieren. Zumindest sind das die Standardprobleme hier bei uns in Schweden – und sie gleichen sehr den internationalen Problemen.

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