„Under Pressure“ – aus der Rubrik akutmedizinische Kolibris

Letzte Woche stellte sich eine 72 jährige Frau mit akuter Atemnot vor. Auf dem ersten Blick dachten wir an eine akute Herzinsuffizienz. Linksventrikuläres Versagen durch langjährige arterielle Hypertonie. Da aber eine interstitielle Lungenerkrankung in der Vorgeschichte bekannt war, hielten wir kurz an und überlegten:Das durchgeführte Echo offenbart, was letztendlich zu erwarten war: Akutes Rechtsherzversagen bei schwerer pulmonalarterieller Hypertonie. Der rechte Ventrikel steht im wahrsten Sinne des Wortes unter „Hochdruck“ (leider klappte das Hochladen der Datei nicht).

Nachdem meine letzte Literaturrecherche zur Diagnostik und Therapie des akuten Rechtsherzversagens auch schon einige Zeit zurücklag und man jede Gelegenheit bei einem derartigen spannenden Fall zur weiteren Recherche aufgreifen sollte, blätterte ich mal einschlägige Literaturstellen durch. Eine gute Übersicht zur Pathophysiologie, Differentialdiagnostik und dem therapeutischen Management finden Sie hier. Dort finden Sie auch weiterführende Literatur.

Aber das soll nicht der Schwerpunkt dieses Posts sein. Obiger Übersichtsartikel führte mich  weiter zu einem extrem spannenden Fallbericht über den Fall einer Mitt-Zwanzigjährige Patientin mit akuter Atemnot. Alles weist primär auf rezidivierende Lungenembolien hin. Der Artikel führt schrittweise mit differenzierten Überlegungen zur Differentialdiagnose der Pulmonalen veno-okklusiven Erkrankung. Eine sehr seltene Erkrankung mit extrem schlechter Prognose.

Warum berichte ich über diesen Kolibri hier im Blog? Experten vermuten, dass diese Erkrankung zu selten erkannt wird. Und dies bedeutet auf der anderen Seite, dass mögliche Therapieoptionen (ECLS als Bridging, Lungentransplantation als Therapieoption) möglicherweise nicht angeboten werden können. Eine deutschsprachige Übersicht zu dieser Erkrankung findet sich in der DMW.

Deshalb empfehle ich immer wieder gerne, durch aktuelle Fachjournale zu blättern. Encourage Browsing! Ein wichtiges Element, um sich breites medizinisches Wissen anzueignen. Darüber habe ich ja bereits zu einem früheren Zeitpunkt geschrieben.

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2 Gedanken zu „„Under Pressure“ – aus der Rubrik akutmedizinische Kolibris

  1. Ein wirklich spannendes und extrem heterogenes Feld! Gerade bei jungen Menschen mit RV-Belastung geht man wohl eher von einer Gerinnungsstörung aus als sich die Suche nach anderen Ursachen zu machen. Wie lang wird wohl das „Verdacht auf …“ in der Diagnosenliste stehen, bis endlich jemand Diagnostik macht.
    Was mich in letzter Zeit sehr beschäftigt hat, ist die Unterscheidung von LAE versus PAH-assoziierter Dekompensation versus Rechtsherzinfarkt in der Akutsituation. Welcher schneller Marker kann mir mit Sicherheit dieses oder jenes ausschließen?

    • Leider gibt es keinen Marker, ein RV Versagen zu differenzieren. Die differentialdiagnostische Aufarbeitung ist notwendig, um zwischen einer Lungenarterienembolie und anderen Ursachen der pulmonalarteriellen Hypertonie zu differenzieren. Schade. Aber geht nicht anders.

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