Wie war das nochmals mit der Antikoagulation bei VTE?

Die Möglichkeiten der Antikoagulation bei venösen Thrombembolien (VTE) und auch die wissenschaftlichen Analysen zu dieser Thematik haben exponentiell zugenommen.Aus diesem Grund finde ich einen aktuellen Übersichtsartikel zu dieser Thematik, im Februar in JAMA erschienen, genial. Wells et al. gehen auf die unterschiedlichen Phasen nach stattgehabter tiefer Beinvenenthrombose (Akutphase, bis 3 Monate, Langzeit) und auf die verschiedenen diagnostischen Klassen (umprovoziert, provoziert, im Rahmen einer aktiven Malignität) ein. Darauf leiten die Autoren verschiedene therapeutische Ansätze ab und weisen auch auf einige CAVEATS hin.

Für mich interessant waren zwei Aspekte:

1) Um bei unprovozierter VTE, welche üblicherweise eine lebenslange Antikoagulation zur Sekundärprävention einer VTE nach sich zieht, ein Absetzen der Antikoagulation zu erwägen, wird ein HERDOO2 clinical decision tool empfohlen. Das „Fehlen“ bzw. bei max. einem Item der folgenden Eigenschaften ist mit einem niedrigen Risiko des erneuten Auftretens einer Thrombose nach Absetzen der Antikoagulation assoziiert: Zeichen eines Postthrombotischen Syndroms (Hyperpigmentierung, Ödeme, Erstem etc.), Vidas D-dimer Test größer als 250μg/L,Alter über 65 Jahren und BMI größer 30. Dieses Tool wurde noch nicht validiert. Spannender Ansatz.

2) Außerdem wird in dem Artikel nochmals diskutiert, weshalb keine Algorithmen bei der Einstellung der Antikoagulation mittels Vit. K Antagonisten verwendet werden. Dies wird in den einschlägigen Guidelines beschrieben. Vielleicht ein Anreiz, dies auch in die tägliche Praxis zu implementieren.

Eine Möglichkeit bietet eine Web-Site wie www.warfarindosing.org … die Angabe von verschiedenen Komorbiditäten lässt die erwartete Dosierung abschätzen.

Aber auch die Körpergewichts-adjudizierte Abschätzung bei Gabe von Heparin intravenös (Bolus 80IE/kg KG) bzw. subkutan wird erlauben, die Zieldosierung gezielter zu erreichen.

Ärgerlich sind auch die „individuellen“ Korrekturen bei Markumarüberdosierung. Die Verwendung eines klaren Standards hilft hier, die Ziele rasch zu erreichen. Nicht jeder Patient benötig Vitamin K als i.v. Antidot! siehe hier ein früherer Beitrag!

 

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2 Gedanken zu „Wie war das nochmals mit der Antikoagulation bei VTE?

  1. Hallo! Ich habe eine kurze Anmerkung.
    Obwohl „pharmakologisch“ eigentlich nicht sinnvoll, kann nach erfolgreicher OAK bei besonderen Patienten möglicherweise erwogen werden, ASS in der Langzeitprophylaxe einzusetzen. Dazu gab es im NEJM zwei (zT im Ergebnis widersprüchliche) Studien. ASPIRE (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23121403) und WARFASA (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22621626). Bei beiden wurde allerdings ASS (100mg/d) mit Placebo verglichen. Diese Therapie spielt also vermutlich v.a. bei Patienten eine Rolle, die nach Ende der empfohlenen Antikoagulation vor der Wahl stehen, nichts oder ASS.

    • Ja. Es gibt diese Daten. Gleichzeitig ist aber die „Rezidivrate“ unter ASS höher als unter LZ-Antikoagulation. Deshalb wird bei unprovozierter VTE eigentlich die Dauerhafte Antikoagulation empfohlen. Ausnahme wären nur Patienten, die als „Niedrigrisiko“ durch Stratifizierungstools identifiziert wurden.

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