Evidence based medicine – movement in crisis?

In einem ganz aktuellen Artikel im Deutschen Ärzteblatt wird das Thema der Evidence Based Medicine aufgegriffen. „Kein L’art pour l’art“ ist der Artikel betitelt, den ein niedergelassener Gastroenterologe verfasst hat.
Ich weiss nicht, wie es Ihnen geht beim Durchlesen des Artikels. Der Grundtenor des Artikels kommt bei mir so an, dass EBM sehr kritisch zu betrachten ist und dass die eigenen Erfahrung und individuelle Entscheidung wieder stärker betont werden sollte. Eigentlich keine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema, sondern ein tendentiös gegenüber EBM negativ geschriebener Artikel. Bei mir kam es zumindest so an.

Wenn man sich den Originalartikel aus dem BMJ durchliest, auf den der Artikel im Ärzteblatt referenziert, stellt man eigentlich einen ganz anderen Grundtenor fest:
Die Autoren diskutieren die Entwicklung der modernen Evidenz-basierten Medizin in den letzten 20 Jahren und stellen fest, dass es einige Punkte gibt, die man kritisch würdigen muss:

• Evidenz basierte Medizin wird von Interessensgruppen in problematischer Art und Weise für eigene Interessen genutzt.
• Die Menge an Evidenz einschließlich der Leitlinien sind so umfangreich, dass sie kaum klinisch praktisch genutzt werden können.
• Statistische „Unterschiede“ sind marginal und sollten hinsichtlich klinischer Relevanz dargestellt werden (z.B. numbers needed to treat, numbers needed to harm)
• STandards und Technologien führen zu einer Automatisierung der Behandlung, die nicht mehr Patienten zentriert ist.
• Komorbiditäten werden in Evidenz basierten Leitlinien unzureichend berücksichtigt.

Die Autoren fordern deshalb, über andere Methoden die Pfeiler der Evidenz-basierten Medizin zu steigern. Der Artikel ist wirklich lesenswert … wobei in manchen Punkten aufgrund der uns vorliegenden Rahmenbedingungen (Zeitdruck, Effizienzsteigerung etc.) kaum zu realisieren. Hier könnte die Politik aber auch die Ausbildung ansetzen. Damit das Ziel der Patienten-orientierten Wissenschaftlichkeit erreicht wird:

…. return to the movement’s founding principles—to individualise evidence and share decisions through meaningful conversations in the context of a humanistic and professional clinician-patient relationship ….

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