Heparin-induzierte Thrombozytopenie

Gerne verweise ich auf Übersichtsartikel der großen medizinischen Journale. Und das NEJM hat sich in einem aktuellen Übersichtsartikel von Kollegen Greinacher aus Greifswald wieder selbst übertroffen:
Des öfteren gewinne ich den Eindruck, dass viele unserer Kollegen bei dem Thema „Heparin-induzierte Thrombozytopenie“ auf ziemlich dünnes Eis erwischt werden und man gerne den Rat eines hämostaseologischen Kollegen einholen möchte. Obwohl, es handelt sich um ein klinisch relevantes Thema, das auch im Umfeld der Notaufnahmen häufig Fragen aufwirft. Deshalb kann ich nur empfehlen, diesen Artikel durchzuarbeiten.

Was habe ich aus dem Artikel entnommen:
1) HIT führt trotz Thrombozytopenie zu einem paradoxen prothrombotischen Status. Dieser wird nicht durch Thrombozytenaggregate, sondern durch Thrombinaktivierung verursacht.
2) Patienten, die unfraktioniertes Heparin 7-10 Tage erhalten, weisen das höchste Risiko für das Auftreten einer HIT auf. Üblicherweise kommte es 5-10 Tage zu einem Thrombozytenabfall.
3) Die Diagnostik für HIT sollte nur erfolgen, wenn die klinischen Eigenschaften für ein HIT sprechen. Idealerweise sollte man ein validiertes Scoringsystem verwenden (4T Scoring System). Den Online Kalkulator (gibt es auch als App unter MedCalc) finden Sie hier.
4) Als therapeutische Option sollte zunächst das auslösende Agens (z.B. Heparin) abgesetzt werden, und dann Argatroban oder Danaparoid eingesetzt werden. Fondaparinux oder auch Bivalirudin stellen Optionen dar, sind aber für diese Indikation nicht zugelassen.
5) Die Therapie sollte fortgesetzt werden, bis die Thrombozyten wieder >150Tsd/µL sind, regelmäßige Kontrollen sind unabdingbar (üblicherweise bis die Thrombozyten 2 Tage stabil geblieben sind.
6) Eigentlich sollte man auf eine erneute Gabe von Heparin verzichten. Eine Reexposition – falls notwendig – ist >90 Tage nach Indexereignis bei entsprechender Indikation für kurze Zeit möglich (z.B. Herzlungenmaschine). Die Antikörper gegen PF4 bilden sich aber wieder rasch aus.

Wer mehr wissen möchte und auch noch spannende und klinisch anwendbare Algorithmen wissen möchte, liest einfach selber nach.

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