Volume reloaded part 2

Einen wunderschönen Guten Morgen! Die DGINA Tagung ist wieder in vollem Gange und man ist wirklich baff, dass seit der DGINA Tagung in Nürnberg schon wieder ein Jahr vergangen ist. Heute möchte ich nochmals auf das Thema „Volumengabe“ beim Notfall/Intensivpatienten eingehen. In einer …
im British Journal of Anaesthesia publizierten Studie wird untersucht, welche Parameter des PICCO Systems geeignet sind, um die Volumengabe abzuschätzen. Sie werden sich fragen, das ist doch ein alter Hut, das kenne ich doch alles.

Ich möchte Sie hier auf ein paar interessante, in anderen Publikationen – zumindest für mich – nicht so klar herausgearbeitete Botschaften eingehen:
1) Viele der beschriebenen statischen und dynamischen Parameter wurden bei intubierten, sedierten Patienten abgeleitet, die mit einem hohen Tidalvolumen beatmet wurden. Dadurch wird die kardinale Last dtl. stärker variiert als bei der aktuell empfohlenen Beatmung mit niedrigen Tidalvolumen (<6ml/kg KG). 2) Die verschiedenen „dynamischen“ Parameter wie Variation der Pulse Pressure, des Cardiac Output bzw. des Schlagvolumens sind nicht geeignet, um einen Volumenbedarf abzuschätzen. Zumindest nicht bei Beatmung mit niedrigen Tidalvolumen. 3) Die Autoren untersuchen, inwieweit sich die Variation von pulse Pressure, Schlagvolumen und Cardiac Output nach Gabe von 100mL Volumen verändert, um die Volumenreagibilität abzuschätzen. 4) Die Parameter Pulse Pressure Variation und Schlagvolumenvariationen sind geeignet, um den Volumenbedarf abzuschätzen. Wenn man die Arbeit aufmerksam liest - und das möchte ich speziell bei dieser Arbeit jedem empfehlen! - fällt einem auf, wie komplex und schwierig es ist, Volumenbedarf abzuschätzen. Und vor allem, wie schwierig es ist und welche Rahmenbedingungen erfüllt sein müssen, um von „technischen Geräten“ richtig unterstützt zu werden. Gerne werden in Vorträgen Dinge suggeriert, die in dieser Art und Weise gar nicht realisierbar sind. Also, dieses Paper ist ein absolutes MUSS! Like it! Spannend und sehr pragmatisch ist das begleitende Editorial. Beginnend von den Anfängen der Volumensubstitution (Choleraepidemie vor 200 Jahren!) schlägt der Autor vor, dass das bisherig empfohlene Vorgehen einer raschen Volumensubstitution z.B. bei Sepsispatienten überdacht werden sollte. Er schlägt vor, schrittweise „kleinere Volumina“ zu substituieren ( er denkt das Boli mit 100 mL Ringer Lsg. passend wären) und individuell unter kurzfristiger „Nachbeobachtung“ zu substituieren. Auch dieses Editorial ist sehr klug geschrieben und erweitert deutlich den eigenen Horizont und die eigenen Sichtweisen.

Zusammenfassend sind diese zusammengehörenden Artikel ein hervorragendes Beispiel für eine überlegte und reflektierte Notfall- und Intensivmedizin. Es wird ein schon seit einigen Jahren propagiertes Konzept „Less is more“ kritisch und wohlüberlegt dargestellt. Vielleicht finden Sie anhand dieses Beispiels auch selbst eine Anregung, um das eigene Handeln, das oft sehr Aktionsgetrieben sein kann, zu reflektieren.

Hat wirklich Spaß gemacht diese Paper zu lesen! Ich genieße jetzt noch die DGINA-Tage in Köln. Wirklich tolle Veranstaltung! Das war´s mal wieder – diesmal aus Köln! Stay Tuned!

diesen Artikel weiterempfehlen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.