Vergiftung mit Knollenblätterpilz bei Flüchtlingen

In über 90% ist der Knollenblätterpilz für tödlich verlaufende Pilzvergiftungen verantwortlich. Etwa 50 Flüchtlinge erlitten nun in Norddeutschland diese gefährliche Pilzvergiftung.

Vermutlich kommt es zu Verwechslungen mit in Syrien vorkommenden Pilzarten (Siehe SZ)

Zur Warnung vor der Gefahr hat die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) über ihr Netzwerk Flüchtlingshilfe ein Plakat entworfen. Dieses soll an die Flüchtlingsunterkünfte verteilt und dort ausgehängt werden. Es kann in verschiedenen Sprachen direkt auf der Homepage der MHH heruntergeladen werden. Hierzu auch noch eine gute Kasuistik.

Auf die schnelle einige wenige Informationen, die im klinischen Kontext wichtig sind:
1) Bei allen Symptomen, die mehr als 6h nach Ingestion auftreten, ist absolute Vorsicht geboten. Bei Amatoxin-assoziierte Intoxikationen sind Durchfälle und weitere Syndrome viele Stunden nach Ingestion ein absolutes Warnzeichen. Nach 24h-36h kommt es zum Verschwinden dieser Symptome, zu späteren Zeitpunkten tritt dann Leberversagen auf.
2) Wichtig ist es, für die Diagnostik entsprechend Proben zu asservieren.
3) Einleitung der Therapie
◾Gastrointestinale Dekontamination mit Hilfe von Aktivkohle, durch Mehrfachgabe Unterbrechung des enterohepatischen Perform
◾Aggressives Management von Volumenmangel (Diarrhoe, Erbrechen)
◾Unterbrechung der hepatozelluläre Aufnahme von Amatoxin mit Hilfe von Silibinin (und falls nicht vorhanden, mit hohen Dosen von intravenösen Pen G)
◾Antioxidative Therapie mit N-Acetylcystein i.v.
◾Antizipation möglichen Leberversagens, supportive Therapie, Kontaktaufnahme mit LTx Zentrum

Sibilinin sollte bei V.a. Amatoxin-Intoxikation umgehend verabreicht werden.

Das war´s aus Nürnberg. Stay tuned and join again!

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