Exotische Infektionen in der Notaufnahme

Vor kurzem berichtet ein Kollege in der Frühbesprechung unserer Notaufnahme von einem 52jährigen Patienten mit hohem Fieber continua und allgemeinem Schwächegefühl. Keine Exanthem, Unwohlsein, Muskelschmerzen. Business as usual?

Ich glaube, dass man einen derartigen Patienten insbesondere im Hintergrund der gesetzlichen Vorgaben (ambulante Patienten in die ambulante Versorgung zurückführen) gerne an den Hausarzt verwiesen hätte. Aber … irgendwas machte den Kollegen hellhörig. Der Teufel steckte wirklich im Detail. Im abgenommenen Labor zeigte sich bei dem Patienten, der vor 1 Woche eine Reise nach Ostafrika gemacht hatte, eine ausgeprägte Leukopenie (0.5 /nL) und leichte Thrombozytopenie.

Da der Patient sehr beunruhigt war, und man sich wegen der Leukopenie Sorgen machte, wurde er aufgenommen. In der dann durchgeführten stationären Diagnostik ergab sich die Diagnose einer Denguefieberinfektion (RNA Virusvirus; Flavivirus).

Gehört habe ich natürlich schon davon, gesehen in meinem unmittelbarem Umfeld hatte ich diese Erkrankung noch nie. Ich habe anschließend recherchiert und empfehle einen aktuellen Artikel im BMJ. Ein Kollege erwähnte eine Reportage vor kurzem. Wenn es z.B. in Brasilien regnen würde, würde der Vector, tagesaktive Mücken der Art Aedes, sich zu hunderten Vermehren. Daraus ergibt sich auch die derzeitige präventive Strategie, stehendes Wasser in diesen Regionen, möglichst zu vermeiden und keine Brutmöglichkeiten zu ermöglichen. Einen sehr gut geschriebenen Übersichtsbeitrag liest man bei Wikipedia.

Wichtig ist es deshalb, bei Patienten mit Aufenthalt in tropischen und subtropischen Regionen (wie bei unserem Patienten) an Dengue Fieber zu denken. Da es vier Serotypen gibt, ist auch eine Reinfektion möglich.

Neu für mich war, das der Tourniquet-Test (Rumpel Leede) hilfreich bei der Diagnosestellung von Dengue ist (Manschettendruck zwischen sys und dia RR, auftreten von Petechien –> Details siehe übersichtsartikel).

Die Therapie sollte frühzeitig erfolgen (es gibt Empfehlungen der WHO), spezifische Therapien wie Kortikosteroide in der Frühphase werden diskutiert, aber derzeit nicht empfohlen. Nichtsteroidale Antiphlogistika zur Fiebersenkung werden nachteilig gesehen. Hauptproblem bei Dengue ist die Immunreaktion des Körpers, was letztendlich zu capillary leakage und im schlimmsten Fall zum hämorrhagischen Fieber führen kann (selten, aber lebensbedrohlich).

Zentral ist und bleibt die Prävention. Ein aktueller Artikel im NEJM gibt Ausblick auf eine mögliche Impfung, aber auch hier ist nicht alles Gold was glänzt.

Das war’s mal wieder aus Nürnberg. Enjoy and join again!

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