Report from Paris …

So lautet die Überschrift eines Artikels im N Engl J Med der letzten Woche.

Charlotte Haugg erzählt sehr eindrucksvoll und gut lesbar den Verlauf aus unterschiedlichen Sichtweisen während der Medizinischen Versorgung der Patienten nach der schrecklichen Terrorattacke in Paris, 13. November 2015. Jeder, der im Krankenhaus arbeitet, kann sich in die Situation der Französischen Kollegen hineinversetzen und versteht die Herausforderungen, die von unsere Kollegen großartig gemeistert werden konnten. Ein weiterer Artikel zu dieser Thematik ist auch im The Lancet vor kurzem erschienen. Auch dieser beschreibt die Abläufe in der notfallmedizinischen Versorgung der Verletzten.

Ich konnte mich in die Herausforderungen der Kollegen und auch der strategischen Einsatzleitung (der Gesundheitsbehörde zugeordnet) sehr gut hineindenken.

Einige Informationen zeigen nochmals auf, welche Aspekte berücksichtigt werden müssen:
1) Betroffene Patienten bewegen sich selbstständig in das nächstgelegene Krankenhaus
2) Überblick, Kommandostruktur und Organisation sind neben der fachlichen Expertise wesentliche Merkmale, um den Betroffenen helfen zu können.
3) Unabhängig von Einsatzplänen sind sehr viele „Professionals“ selbstständig zur Unterstützung eingetroffen. Auch diese müssen koordiniert werden.
4) Und einige der leitenden Kollegen konnten sich auch zurückhalten, da sie eh verspätet an ihren Arbeitsplätzen eingetroffen wären, und organisieren die Versorgung der Folgetage.
5) In Frankreich gibt es vorgehaltene Einsatzgruppen mit spezialisierter Ausstattung, um derartige Fälle direkt am Ort des Geschehens versorgen zu können.

Dies Zusammenfassung ist sicherlich aus meinen ersten Wahrnehmungen zusammengestellt, die ich aus dem Artikel entnommen habe. Sicherlich gibt es noch weitere viel wichtigere Punkte.

In diesem Zusammenhang ist mir ein Vortrag auf der letzten DGINA Tagung wieder in Erinnerung gekommen. Anne Brants hatte von ihren eigenen Erfahrungen als „Betroffene“ des schweren Erdbebens im Basislager des Mount Everest berichtet. Mir ist das von Ihr zitierte MIMMS Principle in Erinnerung geblieben. Dies möchte ich gerne mit Ihnen teilen (bzw. Eulen nach Athen tragen 😉

MIMMS ist das Akronym für „Major Incidents Medical Management and Support“. Es handelt sich hier um eine strukturierte Vorgehensweise, die u.a. auch von der NATO gelehrt und umgesetzt wird. Dazu gibt es auch ein Lehrbuch, und natürlich gibt es zahlreiche Kursformate, diese Handlungskompetenz zu vermitteln.

Für mich besonders wichtig sind Aspekte in der Vorbereitung:
– Planung
– Ausrüstung
– Training

Insbesondere bzgl. des Trainings habe ich in letzter Zeit sehr eindrückliche Erfahrungen in Führungskräftesimulationen im Rahmen des MAN V/E sammeln können.

Und dann geht es natürlich um die ersten Schritte bei einem derartigen Schadensereignis. Hier hat sich das Akronym CSCATTT bewährt (hört sich an wie eine genetische Information). Unterstützt, die ersten Schritte zu gehen:

C – Command and Control
S – Safety
C – Communication
A – Assessment
T – Triage
T – Treatment
T – Transport

Ich denke, dass auch in Deutschland flächendeckend Vorbereitungen für derartige Schadensfälle erfolgen. Eine mögliche Anregung könnte sein, die Berichte aus Paris und auch die INhalte der MIMMS Prinzipien im Zusammenhang mit den eigenen Vorbereitungen zu reflektieren.

Das war heute mal wieder aus Nürnberg, dieses Mal mit einem etwas längeren Text.
Stay tuned and join again!

PS: Hier noch ein paar Links zu frei zugänglichen Vortragsfolien:

und etwas ausführlicher: http://cdn.intechopen.com/pdfs/31947/InTechConsiderations_in_mass_casualty_and_disaster_management.pdf

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