Breaking News – Zusatzweiterbildung für Notfallmedizin in Deutschland

Nach langen Gesprächen zwischen Vertretern der Notfallmedizin (DGINA und DIVI) wurde eine Einigung erzielt – und ein gemeinsamer Vorschlag für eine Zusatzweiterbildung „Notfall- und Akutmedizin“ für Deutschland erstellt. Die Weiterbildung soll inhaltlich auf dem Curriculum der Europäischen Gesellschaft für Notfallmedizin (EuSEM) basieren.

Aus meiner Sicht ist das ein großer Schritt für die Weiterentwicklung der klinischen Notfallmedizin in Deutschland. Mehr Informationen finden Sie in der offiziellen Medieninformation hier.

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3 Gedanken zu „Breaking News – Zusatzweiterbildung für Notfallmedizin in Deutschland

  1. Klasse. Jetzt wird es auch spannend sein, wie man als Leiter einer Notaufnahme an die Weiterbildungsbefugnis kommt und wann das Ganze praktisch startet. In jedem Fall eine phantastische Entwicklung.

  2. Na endlich !
    Aber : Nur die genannten Fachrichtungen zuzulassen ist fernab der Realität. Die Berliner WBO definiert den Begriff der unter Akutmedizin versammelten Fächer wesentlich umfangreicher. Und wir haben bereits jetzt im Ausland ausgebildete Notfallmediziner im Land . Die müssen also auch noch in diese Gruppe rein .
    2. Weise ich daraufhin , das das EUsem curriculum sehr umfangreich ist . Man muss nicht umsonst für die Vorbereitung mit einem extrem hohen Zeitaufwand von ca 1000 h rechnen. Überschlagen sind das 3 h pro Tag ein Jahr lang . Die aktuellen Reakurse müssen noch dazugerechnet werden. Es ist wenig spezifiziert , Fähigkeiten und Fertigkeiten sind ebenfalls nicht detailliert genug beschrieben. Ein schönes Beispiel für eine solche detaillierte Beschreibung findet sich beim RCEM UK. Wenn wir uns dem ein Stückchen annähern könnten wären wir schon viel weiter . Schon das was man in den ersten 3 Jahren erlernen muss ist ein gutes Fundament . (Fragen Sie doch mal die Experten , die im Ausland waren, Part b Eusem geschafft haben und in Deutschland arbeiten. )
    Mit dem von Ihnen skizzierten Anspruch ist es eigentlich eine Subspezialisierung .
    Wie lange soll die Zusatzbezeichung gültig sein ? 4 Jahre ?

  3. … es ist natürlich ein Fortschritt und doch eigentlich schade. Die jungen, motivierten Assistenzärzte werden so (wieder einmal) aus der klinischen Akutmedizin (temporär) verbannt. Sie sind diejenigen, die multidisziplinär ihre Karriere beginnen könnten und so den meisten Benefit als erfahrener ZNA Arzt in der Zukunft hätten, auch für die Patienten. Das einseitige, fachspezifische Denken tritt so gar nicht erst auf.
    Zunächst einen Facharzt zu machen um dann nach Jaaaahren die Zusatzbezeichnung kann das Risiko einer „fachspezifischen “ Sichtweise auf ein ZNA Problem eher nicht verkleinern. Zudem nehmen wir den teils hochmotivierten Jungärztinnen- und Ärzten die Chance von Anfang dort zu bleiben, wo sie sein möchten… auf einer ZNA.

    Es werden also weiterhin junge Ärzte in das Ausland gehen um dort ihren „Notfallmediziner“ zu machen.

    Das Curriculum der EuSEM ist in seinen Inhalten in Deutschland kaum komplett zu vermitteln. Dazu müssten klare Rotationsstationen in der Ausbildung bestehen, die in dieser Vielfalt nur schwer durchzusetzen sind. Alleine schon wegen der anderen konservativen Fachgesellschaften.

    Die Akzeptanz eines Facharztes für (klinische) Akut- und Notfallmedizin ist angesichts des europäischen Niveau in Deutschland auf einem traurigen Stand.
    Natürlich ist es unklar, wie es heute aussehen würde, wenn die DGINA ihren ursprünglichen Weg – der Forderung nach einem Facharzt für Notfallmedizin – beibehalten hätte.

    Der Trend der Krankenhäuser in Restrukturierungen zeigt das Notaufnahmen teilweise wieder zu dem gemacht werden, was sie früher einmal waren: eine „üble“ Notwendigkeit, die häufig unattraktiv ist mit „Zwangsrotationen“ für junge Ärzte und Fachärzte.
    Die/der spätere Fachärztin/Facharzt „für irgendwas“ wird ihre/seine „Begeisterung ZNA“ mit den Jahren an Erfahrung, die sie/er sammeln durfte noch einmal überdenken. Sie/er muss aus einer Spezialisierung heraus ein(e) Generalist(in) werden, wo sie/er ggf. in ihrem/seinem Fach eine vielversprechene Karriere anstreben könnte.

    Allein der Facharzt Notaufnahme und die Akzeptanz dieser Fachrichtung kann zu einem Standard in Deutschland führen, der bestimmte Voraussetzungen schafft. Nur so kann dieser Arbeitsplatz für Ärzte, auch im Alter attraktiv BLEIBEN! Dazu gehören (u.a.) akzeptable Arbeitsbedingungen im Schichtdienst ebenso, wie ein vernünftiger standardisierter Stellenschlüssel und klar geregelte Führungsstrukturen. Eine chirurgische Abteilung ohne Chefarzt ist das „standardmäßig“ vorstellbar?

    Aktuell ist es leider immer noch häufig in vielen Notaufnahmen, das junge Kolleginnen und Kollegen sich allein überlassen werden. Daran ändert auch die Zusatzbezeichnung nichts.

    Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, das Jungärzte die größte Motivation haben auf einer ZNA ALLES zu tun, während er andere Fachärzte häufig versuchen in ihrem gewohntem fachlichem Umfeld verbleiben.
    Jeder macht halt dass, was er am besten kann…

    Für die nachfolgende Generation an Ärzten ist es unabdingbar den Spezialisten für die Notaufnahme zu fordern. Politik / Bundesärztekammer, sowie die Fachgesellschaften werden die Zusatzbezeichnung möglicherweise als genügend ansehen. Die jungen deutschen Ärzte gehen möglicherweise weiterhin in das Ausland.

    Aus meiner Sicht steht die aktive Forderung eines Facharztes in Deutschland zu weit hinten an.

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