Blog Beiträge und deren Inhalte – Bleiben Sie wachsam!

Die lässige Art und Weise, wie viele medizinische Blogs geschrieben sind, gefallen mir und sicherlich auch vielen anderen sehr. Deshalb lese ich diese gerne auf ipad oder iphone. Insbesondere wenn ich öffentlich unterwegs bin. Einer dieser wirklich exzellent geschriebenen Blogs, die ich regelmäßig lese, ist der Blog vom British Medical Journal.

Besonders der wöchentliche Blog von Richard Lehmann hat es mir angetan. In sehr amüsanter Weise fasst der frühere Herausgeber des Br Med Journal die Artikel zusammen, die aus seiner Perspektive wirklich neue Informationen geben. In der Ausgabe vom 18. April 2016 lese ich, dass es egal sei, ob bei einem ST-Elevationsinfarkt der Stent sofort oder erst nach 48 Stunden implantiert werden kann. Der Titel des Posts: „Delayed Stenting in STEMI“. Wesentliches Ergebnis der immerhin an über 1200 Patienten durchgeführten und im „The Lancet“ publizierten Studie ist, dass das spätere Stenting keine negativen Auswirkungen gegenüber dem frühen Stenting haben.

Irgendwie hatte ich mich da schon etwas verschluckt. Bedeutet es nun tatsächlich für mich, für uns, dass Patienten mit STEMI nun doch nicht die frühe Intervention benötigen? Einige Paradigmen scheinen nicht mehr gültig zu sein.

Deshalb habe ich mich in die Originalarbeit vertieft. Und siehe da, die Aussage ist eine ganz andere:
Patienten mit STEMI bedürfen einer frühzeitigen Intervention. Man hat beobachtet, dass beim primären Stenting der akuten Läsion häufig thrombotisches Material nach peripher abgeschoben wird. Deshalb hat man in der großen DANAMI3-DEFER Studie untersucht, ob nach primärer Rekanalisation mittels Ballondilatation die notwendige Stentimplantation erst verzögert stattfinden kann und evtl. Vorteile aufweisen könnte. Also … das Paradigma der frühen Intervention ändert sich nicht: Patienten mit STEMI müssen unbedingt sofort ins Katheterlabor …. siehe aktuelle ESC Leitlinien.

In der DANAMI3-DEFER Studie ging es also darum, ob die Vorteile einer späteren STENT-Implantation (z.B. niedrigere Thrombuslast) überwiegen bzw. Vorteile einer frühen STENT-Implantation (geringere Rate an akuten Verschlüssen nach PCI) überwiegen. Dies und nichts anderes wurde untersucht. Die Ergebnisse der Studie zeigten, dass keine Strategie hinsichtlich Tod, Herzinsuffizienz, Herzinfarkt oder erneute REvaskularisierung Vorteile hatte. Beide Strategien sind zumindest unter diesen Rahmenbedingungen der Studie gleichwertig. Die Studienergebnisse dieser großen randomisierten Studie stehen im Kontrast zu einigen nicht-randomisierten Registerstudien.

Was habe ich aus dieser Geschichte gelernt? Gerne informiere ich (und sicherlich viele andere auch) mich über kurz geschriebene Zusammenfassungen. Und diese Informationen möchte ich natürlich gerne auch in den klinischen Alltag übertragen. Die Zusammenfassung im BMJ Blog durch R. Lehmann sind wie immer brilliant, und auch der nun zitierte Beitrag ist inhaltlich absolut korrekt. ABER: Ich habe ihn, da er letztendlich doch etwas oberflächlich die Thematik bespricht, primär falsch interpretiert. Mir hätte in dieser Situation geholfen, wenn der Hintergrund der besprochenen Studie etwas ausführlicher erklärt worden wäre.

Zusammenfassend können Blogs nur anregen und die Diskussion anstoßen. Aus meiner Sicht ist dies absolut wichtig. Wenn es aber darum geht, bestimmte Dinge dann tatsächlich in die klinische Praxis umzusetzen, sollte doch noch weiteres erfolgen: Die kritische Auseinandersetzung und Analyse der Originalarbeiten. Und darüber hatten wir ja schon gesprochen. Gerne wiederhole ich an dieser Stelle, dass das Buch „User´s guide to the Medical Literature“ einen hervorragenden Überblick über die korrekte Interpretation der Fachliteratur ermöglicht.

Das war´s mal wieder aus Nürnberg. Stay tuned and join again!

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