Notfallmedizin „leise“ – Der Patient mit schwerer asymptomatischer Hypertonie

Ich bin regelmässig erstaunt, wie aggressiv Patienten mit arterieller Hypertonie in der Notaufnahme bzw. im Rettungsdienst behandelt werden. Dies umso verwunderlicher, da aktuell auch die antihypertensive Dauertherapie bei leichter art. Hypertonie generell in Frage gestellt wird. Aber wir wollen uns mit den Themen der Notfall- und Rettungsmedizin beschäftigen ….
Ein wirklich lesenswerter Artikel im Am Fam Physician 2010 geht praktisch darauf ein, was bei Blutdruckwerten >200mmHg beachtet werden sollte:

1) zunächst ist zu differenzieren, ob eine hypertensive Krise (mit Endorganschaden) oder eine schwere asymptomatische art. Hypertonie vorliegt (mit oder ohne Risikofaktoren)

2) während bei der hypertensiven Krise eine moderate Blutdrucksenkung zeitnah durchzuführen ist (und eine stationäre Aufnahme mit Monitoring erforderlich ist), benötigt der Patient mit asymptomatischer Hypertonie keine akute Blutdrucksenkung, sondern es kann eine chronische antihypertensive Therapie begonnen werden. Eine stationäre Aufnahme ist nicht notwendig. Eine ambulante Verlaufskontrolle

Warum sollte dies so gemacht werden?
Nun, es ist davon auszgehen, dass betroffene Patienten schon über längere Zeit erhöhte Blutdruckwerte haben. Dies bedeutet, dass die zerebrale Autoregulation an höhere Werte gewöhnt ist und eine akute Blutdrucksenkung z.B. zu einer zerebralen Hypoperfusion führen kann.

Also, nicht immer gleich hektisch handeln. Die Behandlung der art.mHypertonie ist eine chronische Therapie und erfordert kein tägliches modifizieren der Medikation. Lesen Sie sich den Artikel durch. Lohnt sich!

Und noch ein anderer Tipp: Die antihypertensive Therapie mit Hydrochlorothiazid wird kritisch diskutiert (keine guten Studien dazu, Probleme mit Hyponatriämie). Vorzugsweise wird von Hypertensiologen Chlorthalidon in niedriger Dosierung, auch in der Kombinationstherapie bevorzugt.