Pro und Contra einer Sedierung mit Etomidate

Über den Verteiler von Kollegen Bernhard aus Leipzig bin ich auf diese interessante Arbeit zu Etomidate gekommen: „Pros and cons of etomidate„.

Viele von Ihnen werden natürlich sofort ausführen, weshalb Etomidate beim kritisch kranken Sepsispatienten nicht angewendet werden soll. In dem Artikel werden akribisch alle Für und Wider aufgeführt. Und dies ist sehr interessant …. denn es gibt keine adäquat gepowerte Studie die den Nachteil von Etomidate tatsächlich schlüssig zeigt! Weiterlesen

Etomidate zur Narkoseeinleitung in Notfall- und Intensivmedizin

Und noch eine Studie aus dem Literaturüberblick von M. Bernhard. Interessante Arbeit, man sollte sie sich wirklich reinziehen.



Thematisiert in dem Übersichtsartikel von A. Cherfan aus Kanada wird der Stellenwert von Etomidate bei der Narkoseeinleitung von Sepsis-Patienten. Ein bekannterweise sehr kontrovers diskutiertes Thema. Der Artikel beschreibt sehr schön die gezeigten gewünschten und unerwünschten Wirkungen von Etomidate. Lesenswert!
Wie sollten wir nun praktisch vorgehen? Idealerweise sollte bei der Narkoseeinleitung von kritisch Kranken auf die Induktion mit Etomidate aus meiner Sicht tatsächlich verzichtet werden. Zudem gibt es gute Alternativen: Midazolam, Midazolam/Ketamin, Propofol oder Ketofol (habe hierzu leider wenig eigene Erfahrung, aber vielleicht kann uns ein Leser mehr davon berichten). Ich persönlich ziehe Midazolam vor (aber in einer wirklcih hohen Dosierung, z.B. 15mg als Bolus, aber auch die Kombi aus Midazolam 5mg und Einleitung mit Ketamin ist gut machbar. Bei der Narkoseeinleitung beim Kritisch Kranken verzichte ich persönlich eigentlich auf Propofol, obwohl ich es für prozedurale Kurznarkosen für ein geniales Medikament halte (Kardioversion, etc.). Habe mir erzählen lassen, dass die Träume nicht schlecht sein sollen 😉   „Ketofol“ wird in den USA verwendet, hierzu habe ich, wie oben gesagt, keine Erfahrung. Vielleicht können Sie uns Ihre Erfahrungen schreiben!
Nichtsdestotrotz kann ich auch damit leben, wenn ein Kollege mit eher isolierten Erfahrungen mit Etomidate dies zumindest in einer Übergangszeit weiter nutzt. Man sollte die Substanz verwenden, die man gut kennt (aber auch dem Fortschritt offen sein) …. ansonsten wird es in der kritischen Phase der Narkoseeinleitung noch ungemütlicher wie es eh schon ist. Und vergessen Sie nicht, diese Situationen kann man auch simulieren: Unser OA Achterberg und andere Kollegen haben hier ein kurzes Programm („Intubation des kritisch Kranken“) entwickelt, welches vielen Kollegen in der konkreten Situation viele Ängste nimmt und Erfolgsstories verspricht!