Die Schnelligkeit der Notfallmedizin ist immens: nach FAST kommt RUSH!

RUSH

Algorithmusorientierte Untersuchungsgänge sind in der englischsprachigen Notfallmedizin zunehmend weit verbreitet. Umso trauriger, dass diese intelligenten Konzepte auch durch ein Fehlen qualifizierten Teachings in der Klinischen Notfallmedizin hier in ihrer Beliebtheit noch stark hinterherhinken.

Mein YED-Kollege Dr. Martin Fandler hat sich die Mühe einer Kurzzusammenfassung des RUSH-Konzeptes mit zahlreichen guten Links gemacht. Es erlaubt Patienten mit unklarer Schocksituation algorithmusorientiert abzuarbeiten und kann vor allem jungen Kollegen nur empfohlen werden. Weiterlesen

Weihnachten 2011 – Schwester Lisa klagt ….

…. oh, die Sanis bringen schon wieder ein Patient mit AZ-Verschlechterung …. und eine längere, zunächst ungerichtete Diagnostik beim betroffenen älteren Patienten beginnt. Es endet meist mit der Diagnose …. der hat eine Exsikkose … aber warum hat ein vorher unbeeinträchtigter Patient plötzlich eine Exsikkose, obwohl er – trotz seines Wohnens im ‚betreuten Wohnen‘ oder ‚Altersheim‘ – vorher absolut selbständig war?

An vergleichbare Krankengeschichten kann ich mich ebenfalls bestens während meiner Ausbildung erinnern. Aber müssen diese Situationen immer in einem diagnostischen Nihilismus verlaufen (d.h. eine verzweifelte Untersuchung nach der anderen?)

Meine Antwort lautet … NEIN. Doch lassen Sie mich systematisch dieses Problem angehen. Formal stellen sich diese in der Vignette dargestellten Patienten mit einer „kognitiven Einschränkung“ bzw. einer „qualitativen Bewußtseinsstörung“ vor. Dies sollte man bewußt so benennen, da sich daraus ein klarer diagnostischer Ansatz ableitet: Ältere Patienten mit diesem Syndromkomplex haben meist 1) eine Infektion (z.B. Pneumonie, Harnwegsinfekt), 2) eine kardiale Dysfunktion(z.B. Herzinsuffizienz, Herzinfarkt), 3) eine Elektrolytstörung (z.B. Hyponatriämie, auch bedingt durch 1 oder 2) oder 4) eine Medikamentennebenwirkung (z.B. Psychopharmaka). Also, einfach diese Punkte systematisch abarbeiten, und das Problem ist rasch gelöst und die Beschwerden – bei adäquater Therapie – beseitigt.

Die Thematik des kognitiven Assessments bei Älteren bzw. oben geschilderter Situation wird sehr praxisnah in einem aktuellen Übersichtsartikel von J Young et al im BMJ bearbeitet. Ein Kommentar von Michael Marks betont jedoch, dass ein generelles Screening mit Assessment-Batterien für Ältere (ein Hobby von einigen Kollegen 😉 ) vermutlich nicht die Lösung darstellen wird. Auch nicht in der Notaufnahme ….
Was denken Sie?