„Laberflash“ ….. der hört ja gar nicht mehr auf zu sprechen

Ein junger, 21 jähriger Patient mit Logorrhoe stellt sich in der Notaufnahme vor. Außerdem fällt eine innere Unruhe auf. Sofort tippen Sie auf eine Intoxikation. Aber was wird es wohl sein?

Nach mehreren Gesprächen und Fragen stellt sich heraus, dass der Patient in größeren Mengen Crystal Meth konsumiert hat. Viele von Ihnen werden von dieser Droge schon gehört haben …. aber wussten Sie, dass es sich um eine „alte“ Droge aus dem Ende des 19Jhdt handelt? Weiterlesen

Die Wissenschaft rettet die Nacht! Bald in Ihrer Notaufnahme?

Nature Nanotechnology berichtet über die Injektion von Enzymkomplexen, die Alkohol schneller abbauen.
Funktioniert schon bei Mäusen.
Wenn das mal keine Perspektive für die Notaufnahme ist. Eine Injektion und der Alkohol wird abgebaut…
Am besten schon präklinisch, das wäre doch eine tolle Erleichterung für die Nachtschichten am Wochenende.
Es könnte allerdings passieren, daß die besonders treue Kundschaft dann nicht einmal, sondern gleich mehrmals pro Nacht kommt…..

Klinische Toxikologie – Spice

Was ist Spice? Klingt ja alles sehr harmlos … nun ja, insbesondere young male finden das ganz gut. Spice ist der Überbegriff für synthetische Cannabinoide und wird … weil,der Gesetzgeber nicht schnell genug ist, gerne im Internet zum Verkauf angeboten.

Nun, des öfteren tauchen die User dieser Drogen bei uns zur weiteren medizinischen Betreuung auf. Was erwartet uns hierbei? Weiterlesen

Bradykardie und Hypotonie – was ist eigentlich HIET?

ß-Blocker und Calziumantagonisten gehören zur Standardtherapie des internistischen „Standard“ -Puatienten in der Notaufnahme. Trotz ihres positiven Stellenwertes gilt auch hier: Dosis venenum facit! Was also tun bei versehentlicher, oder auch absichtlicher Überdosierung/Intoxikation? Wie dem – oft sehr instabilen- bradykarden und hypotonen Patienten helfen? Weiterlesen

Tox und EKG Update: Wann wird eine TCA Intoxikation gefährlich?

Haben Sie sich schon mal gefragt, wie Sie im EKG erkennen können, ob ein Patient mit einer TCA Intoxikation gefährdet ist (mit allen Unschärfen natürlich). Sicherlich werden Sie wie viele andere Kollegen auch antworten …..

Sie werden sicherlich antworten: Die QTc Verlängerung ist ein guter Prädiktor für ungünstige Endpunkte (Rhythmusstörungen, schwere Bewusstlosigkeit etc.). Leider nicht allein. Es gibt noch andere Merkmale auf die zu achten ist! 
Tricyklische Antidepressiva wirken am Herzen durch ihre Natriumkanal-blockierende Wirkung. Und dies erkennen Sie an verschiedenen Merkmalen: der Verbreiterung des QRS-Komplexes, die Veränderung des Lagetyps nach Rechts und einem betonten R des rsR´ Komplex, den Sie in Ableitung aVR erkennen müssen. Auch ein Muster, das an ein Brugada Syndrom erinnert, kann vorliegen. Eigentlich logisch, schließlich handelt es sich beim Brugada Syndrom um eine Fehlfunktion des Natriumkanals der Myozyten. Ich finde diese Themen extrem spannend!
Eine gute Übersichtsarbeit zum Thema TCA Intoxikation und EKG finden Sie hier. Liebelt et al. haben entsprechende Untersuchungen schon 1995 im Ann Emerg Med publiziert. Eine weitere gute Übersichtsarbeit zum Thema Ableitung aVR und deren klinisch praktischen Einsatz finden Sie hier.
Es ist wirklich schade, dass diese klinisch wichtigen Informationen aus meiner Sicht unzureichend an den Universitäten aber auch in der ärztlichen Weiterbildung kommuniziert wird. Schließlich hat dieses Wissen eine sehr große Bedeutung bei der Betreuung zahlreicher Patienten. Deshalb macht es durchaus Sinn bei Patienten mit neurologischen Symptomen (Kopfschmerzen, Bewusstseinsveränderung etc.) ein 12-Kanal EKG zu schreiben. 
Wichtige Botschaft: Auch Patienten mit neurologischen Symptomen in der Notaufnahme benötigen ein 12-Kanal EKG!
Bitte diese Infos weitergeben!

Tox Update – Denken Sie an eine Kobaltintoxikation!

Sie haben noch nie differentialdiagnostisch an eine Kobaltintoxikation bei einem Patienten in der Notaufnahme gedacht? Wirklich nicht …. zum Trost, mir geht es ähnlich. 

Ich habe auch nur in den steltensten Fällen an eine Kobaltintoxikation gedacht 😉

Typisch für eine schwere Kobaltintoxikation  sind Symptome der Neurotoxizität (allerlei mögliche neurologische Symptome wie Taubheit, Retinopathie, N. opticus Ausfall, kognitive Einschränkung, Tremor etc.), Hypothyreoidismus, und Kardiomyopathie. Trotzdem ist dies nicht alltäglich. Die Inhalation von Kobalt kam früher in der Metallverarbeitenden Industrie vor, bei den Reglementierungen in Europa wird des aktuell eher selten der Fall sein. Zumindest habe dies nie selbst erlebt (oder nicht daran gedacht 😉
Deshalb finde ich einen Fallbericht aus Clin Toxicol 2012sehr interessant: Es wird ein 56 jähriger Tscheche beschrieben, der Symptome einer schweren Kobaltintoxikation entwickelt hat nachdem eine frühere Hüftprothese wegen Malfunktion operativ ausgetauscht werden musste: Er hat dieses Mal eine „Metal-on-metal“ Prothese erhalten, deren Legierung aus Kobalt, Chrom und Titan besteht. In der Fallbeschreibung – die durchaus methodisch diskussionswürdig ist – wird die Symptomatik des Patienten auf eine Kobaltintoxikation (Kobaltkonzentration im Blut: 506mcg/L; Referenz: <0,9mcg/L) zurückgeführt. Er hatte einen Perikarderguss, Hypothyreoidismus, beidseitige Taubheit, sensorimotorische Polyneuropathie der oberen und unteren Extremität!
Jetzt wird es wirklich „strange“, oder?
Leider nein. Zwar habe ich entsprechende Berichte in Deutschland in den letzten Monaten nicht mitbekommen, aber im British Medical Journal gibt es seit Monaten eine umfangreiche Diskussion zur Qualität von Medizinprodukten wie z.B. von Hüftprothesen, die offensichtlich bisher nur unzureichend von den Kontrollbehörden und Herstellern analysiert wurden.
Das Ergebnis ist ein Drama: von NICE in Großbritannien wird seit ca. 10 Jahren gefordert, dass max. 10% der Hüftprothesen innerhalb von 10 Jahren wegen Malfunktion ausgetauscht werden dürfen. Manche Hersteller liegen Dimensionen über dieser Vorgabe. Dies liegt offensichtlich an fehlenden Daten und auch an fehlenden Vorgaben zur Genehmigung derartiger Produkte. Seit kurzem werden nun Hüftprothesen in einer hohen Risikoklasse eingruppiert wie z.B. auch Schrittmacher bzw. ICD. Dies bedeutet, dass ähnlich strenge Prüfauflagen zwischenzeitlich vorgeschrieben sind. Aber dies fehlte in der Vergangenheit.
Zurück zur Kobaltintoxikation:
Bestimmte Formen von Hüftprothesen (metal-on-metal; d.h. Metall Kopf, Metall Pfanne) sind mit bestimmten unerwünschten Wirkungen assoziiert: Metallermüdung und Implantatfrakturen, vermehrter Nachweis von Tumoren einschließlich hämatologischer Tumoren, und Vergiftungen durch freigesetzte Metallionen wie z.B. Kobalt. Inwieweit tatsächlich jede Form einer psychischen Auffälligkeit natürlich mit dem Nachweis erhöhter Kobaltionenkonzentrationen assoziiert ist, sei dahingestellt (ich trage auch noch „alte“ Amalgamlegierungen in mir und fühle mich wohl). Aber zusammenfassend ist diese Thematik offensichtlich wirklich klinisch relevant. Einen guten Artikel, der diese Thematik zusammenfasst, ist im März im BMJ publiziert.
Was bedeutet dies nun im klinischen Alltag?
Es ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit während der Anamneseerhebung nachzufragen, ob Operationen oder Implantationen von Fremdmaterial in der Vergangenheit durchgeführt wurden. Wenn ja …. denken Sie an den oben beschriebenen Zusammenhang mit der Kobaltintoxikation.
Unabhängig von der Freisetzung der Kobaltionen, die offensichtlich auch durch fehlerhafte Geometrie der Implantate einzelner Hersteller bedingt sein kann, können natürlich auch diese Implantate Ursache für eine Infektion sein. Erst vor kurzem wurde dies von PD Markus Wehler in seinem Vortrag thematisiert (siehe früherer Blog zur Fortbildung in München). Also, einfach daran denken ….
Hat jemand von Ihnen schon derartige Erfahrungen gemacht? Kommentierungen sind wie immer willkommen!