Evidenz in der Notfallmedizin und mehr

Liebe Kollegen. In Kürze wird in einem Meinungsbeitrag im Deutschen Ärzteblatt das Thema „Evidenz in der Notfallmedizin“ aufgegriffen. Der Artikel zeigt auf, dass wir selbst unseren Beitrag zu mehr Evidenz in der Medizin leisten müssen. Weiterlesen

Notfallmedizin advanced – Wie hätten Sie entschieden?

Eine 90-jährige Rüstige Frau stellt sich vor mit akut aufgetretener Dyspnoe und thorakalem Engegefühl. Keine Ausstrahlung, keine Übelkeit, kein Erbrechen, nie so etwas zuvor gehabt.

VE: arterielle Hypertonie, keine kardiopulmonalen Vorbefunde

Soziales: allein zuhause lebend, Selbstversorgerin

Vitalwerte: SO2 96% unter 6l O2, RR 110/80, HF 100/min, Temp 37.3°C

Notfallsono/Echo für Dyspnoe: Vena cava inferior nicht moduliert und prall, RV>LV, LV-Funktion gut, Lungen trocken

Lab: D-Dimer >15 (Normwert 0,5), Trop 90 (Normwert <30)

Ich denke alles soweit klar: Hinweis auf eine grosse hämodynamisch beginnend wirksam werdende LAE. Pat ist aber recht stabil, oxygeniert gut unter 6 l O2 und fragt was nun wird. Es wird ein CT-Thorax angefertigt, welches neben einem reitenden Thrombus im Pulmonalishauptstamm diesen Befund zeigt.

Was ist es und wie denken Sie sollten wir therapieren (meines Wissens nach gibt es keine klare Leitlinie hierfür, aber ich erhoffe mir eine interessante Diskussion).

 

Diskussion der Top Web 2.0 Notfallmediziner über Ultraschall der Lungenembolie

Google Hangout ist der neueste Schrei in der Welt der notfallmedizinischen Web-Ressourcen. Im angeführten Beispiel diskutieren 6 Spezialisten aus dem Bereich Emergency Ultrasound Wissenswertes zum Notfall-Echo bei Verdacht auf Lungenembolie: Weiterlesen

Thrombolyse ist out, es lebe die Thrombolyse …

Möglicherweise ist obiger Titel etwas irreführend, aber ich fand ihn einfach gut.
The show must go on ….

Vor kurzem habe ich ja die kritischen Analysen zur Thrombolyse bei Schlaganfall diskutiert. Prompt kommt im aktuellen NEJM ein Manuskript einer Phase IIB Studie bei Patienten mit Apoplex (Symptomatik <6h) zur Thmbolyse mit Tenectplase vs. Alteplase. The winner is ….


 Tenecteplase …. 

…. ohne Steigerung der Blutungskomplikationen!

Klingt vernünftig: Genetisch veränderte Substanz mit höherer Affinität zu Fibrin und natürlich einer längeren Halbwertszeit.

Bedeutet dies, dass die neurologischen Kollegen bzw. wir nun das Handeln umstellen müssen?

Vorsicht: zum einen handelt es sich um eine nicht adäquat gepowerte Studie, zum andern wurden von über 2200 gescreenten Patienten nur 75 eingeschlossen. Es wurden sehr strenge Einschlusskriterien verwendet und nur Patienten eingeschlossen, die nach vorheriger bildgebender Diagnostik einen ausgeprägten Missmatch zwischen Perfusion und Ischämiegrösse hatten. Details zur Methode wurden 2005 publiziert. Mit anderen Worten sind die Ergebnisse überhaupt nicht auf die gegenwärtige Praxis übertragbar. Es wurden ganz andere Indikationen für die Durchführung der Lyse verwendet.

Aber, ich finde, dass diese Studie interessante Perspektiven der Zukunft eröffnet:
Zum einen, was das Pharmazeutikum angeht, zum anderen, ob es in der Zukunft notfallmedizinisch anwendbare Technologien geben wird, um massgeschneidert für bestimmte Patientengruppen eine optimale Therapie anzubieten.

Wir sollten aber die Ergebnisse der weiteren, noch durchzuführenden Untersuchungen abwarten. Möglicherweise ist das Pharmazeutikum Tenecteplase tatsächlich gegenüber Alteplase vorteilhaft, möglicherweise wird die Zukunft andere Kriterien für die Lyseindikation bringen. Vielleicht wird dann auch die Kritik, die in dieser Angelegenheit vorgebracht wird, entkräftet.

Zusammenfassend denke ich, dass die Ergebnisse dieser Studie sicherlich die neurologischen Kollegen zu weiteren therapeutischen Anstrengungen anfeuern wird. Warten wir ab.