Blutungsmanagement unter oraler Antikoagulation – Update

In den letzten Wochen wurden hochinteressante Daten zu spezifischen Antidots für die Antagonisierung der direkten oralen Antikoagulantien (DOACs: Dabigatran, Rivaroxaban, Apixaban, Edoxaban) im New England Journal of Medicine vorgestellt. Weiterlesen

Erhöhtes Risiko für Stürze – tatsächlich Grund genug, eine Antikoagulation vorzuenthalten?

In den letzten Jahren sind aufgrund neuer Einblicke zahlreiche Indikationen für eine therapeutische Antikoagulation erweitert worden. Denken wir nur an die aktuellen Empfehlungen zur Antikoagulation bei Patienten mit Vorhofflimmern. Ein häufiger Grund, um eine orale Antikoagulation vorzuenthalten, wird darin gesehen, dass man bei einigen Patienten vermutet, dass es durch vermehrte Sturz/Fallneigung zu unerwünschten Blutungen im Rahmen einer oralen Antikoagulation kommen könnte. Offensichtlich erhalten nur etwa 60% von älteren Patienten die eigentlich indizierte Antikoagulation.

Wir wissen natürlich alle, dass das Risiko aufgrund einer vermehrten Sturzneigung zu bluten, als relativ niedrig einzuschätzen. Trotzdem wird vielen Patienten eine therapeutische Antikoagulation vorenthalten. Patienten mit Vorhofflimmern sind dadurch gefährdet, ischämische Schlaganfälle zu erleiden. Wie sieht dieses Risiko nun wirklich aus? Weiterlesen

Therapie-Update – Neue Therapie für akute Lungenembolie?

Die Einstellung der Antikoagulation bei Patienten mit akuter Lungenembolie ist nicht ohne. Nach dem Therapiebeginn mit Heparin erfolgt die Markumarisierung. Wird ein INR>2 für zwei aufeinanderfolgende Tage gemessen, kann die überlappende Therapie mit LMWH abgesetzt werden. Die Steuerung der Marcumarisierung wird dann dem Hausarzt überlassen.

Diese Form der Therapie Ist möglicherweise bald Anachronismus:

In einer aktuellen Ausgabe vom N Engl J Med wird die EINSTEIN-PE Studie präsentiert. über 4800 Patienten mit akuter Lungenembolie (massive bzw. High-Risk LE wurde ausgeschlossen) wurden eingeschlossen und eine Gruppe mit Standardtherapie behandelt (siehe oben, LMWH und Marcumar), die andere Gruppe erhielt zunächst 2x 15mg Rivaroxaban für drei Wochen, anschliessend 20mg einmal täglich (Achtung: die Ausschlusskriterien waren relativ umfangreich: z.B. keine Patienten mit KreaClearance <30, Medikamente mit CYP3A4 Aktivierung etc.). Die Ergebnisse sind sehr positiv:
Die Therapiegruppe mit Rivaroxaban war nicht inferior gegenüber der Therapie mit Marcumar. Die Rivaroxabangruppe hatte signifikant weniger Blutungskomplikationen [1 vs 2%] vs. Standardtherapie.

Zusammenfassung:
Die neuen oralen Antikoagulantien verändern unsere Möglichkeiten der Therapeutischen Antikoagulation. Obwohl ich selbst noch etwas skeptisch bin (sind Studienbedingungen mit Alltagsbedingungen vergleichbar), scheint sich tatsächlich eine neue Ära der Antikoagulationstherapie zu entwickeln. Aber die Kenntnis von relativen und absoluten Kontraindikationen ist unverzichtbar.

Info bei Blutungskomplikationen:
In einem früher Blog habe ich auf das Management bei Blutungskomplikationen unter oralen Antikoagulantien hingewiesen. Dies erfordert andere Strategien wie wir dies von Marcumar kennen.