Scombroid Poisoning – Hätten Sie es gewusst?

Nach einer Visite in der letzten Woche gehe ich mit A. Achterberg, unserem Notaufnahme OA, zum Büro. Er erzählt mir stolz über die diagnostische Versiertheit einer unserer Fachärztinnen (wissen Sie, wer?). Was war passiert? Es wurden zwei Patienten eines großen Unternehmens der Region eingewiesen, die etwa 20min nach dem Essen von Thunfisch in der Betriebskantine plötzlich einen urtikariellen Ausschlag bekamen. G,eichzeitig Angstgefühl, Flush Symptomatik, Kopfschmerzen, und Hypotension.

Und, haben Sie eine Idee?

Sicherlich, jeder wird differentialdiagnostisch an eine Fischallergie denken. Aber zwei Leute gleichzeitig? Die richtige Lösung lautet „scombroid poisoning“. Absolute Spitzenleistung unserer Kollegin! Ich habe keinen passenden deutschen Begriff für „Scombroid Poisoning“ gefunden. Fischvergieftung ist nicht adäquat, diese durch Histamin vermittelte Intoxikation, die durch gramnegative Bakterien verursacht wird, zu beschreiben. Vielleicht sollten wir es als Scombroid Vergiftung bezeichnen. Oder haben Sie eine bessere Idee?

Warum nennt man dies Scombroid Poisoning?
Zunächst zur Namensgebung. Scombroidae ist der Gattungsname einiger Fischarten mit dunklem Fleisch, wie z.B. dem Thunfisch oder Makrele. Bei diesen Fischarten war diese Form der Reaktion zunächst beschrieben worden. Es gibt aber vergleichbare Fallberichte, die durch non-scombroidae verursacht wurden (z.B. Anchovis, Sardinen, Mahi-Mahi etc.).

Wie häufig ist Scombroid Vergiftung?
In unseren Breiten ist dies extrem selten. Wir erhalten Fische durch kommerzielle Anbieter. Durch Einhalten von Hygiene und der Kühlkette kommt so ein Ereignis kaum vor. Anders ist es in anderen Regionen der Welt: Ein relevanter Anteil des verkauften Fisches in Hawai stammt von nicht-kommerziellen Fischern. Dort kommt deshalb Scombroid Poisoning häufiger vor.

Was ist der Pathomechanismus?
Das Syndrom wird durch die Aufnahme von Histamin ausgelöst. Scombroidae enthalten viel Histidin, welches ausgelöst durch die genannten gramnegativen Erreger (Proteus, E. coli) durch eine bakterielle Histidin Decarboxylase in Histamin metabolisiert wird. Wichtig zu wissen ist, dass der Fisch ganz normal schmeckt. Er ist im eigentlichen Sinne nicht verdorben (denken Sie an eine Gastroenteritis, die Die nach Verzehr komisch schmeckenden Fisches bekommen haben, siehe Tabelle unten). Erstaunlich ist, dass Menschen unterschiedlich auf gleiche Mengen von Histamin reagieren und die durch Fisch ausgelöste Histaminzufuhr zu stärken Reaktionen führt als die gleiche Menge an reinem Histamin, welches zugeführt wird. Offensichtlich sind noch andere Mechanismen beteiligt (z.B. wird Cadaverin diskutiert), aber dies ist letztendlich unklar. Die auch von unseren Patienten geschilderten Symptome sind auf die Histaminwirkung zurückzuführen. Mehr dazu finden Sie in diesem hochinteressanten Übersichtsartikel. Kochen hildt deshalb in diesem Fall nicht. Nur präventive Maßnahmen müssen eingehalten werden.

Wie lautet die Therapie?
Nun, die Wirkungen erklären sich durch die über den Histamin 1 und 2 Rezeptor vermittelten
Wirkungen des Histamins. Deshalb werden H1 und H2 Rezeptorblocker verabreicht. Eine schöne Falldiskussion finden Sie in einem älteren Artikel von Ann Emerg Med. Eine weitere Zusammenfassung zu Nahrungsmittelintoxikationen finden Sie im Curr Opin Infect Dis 2003.

Und hier stelle ich Ihnen noch eine gute Zusammenfassung der Differentialdiagnosen einer Fischvergiftung ein: