Risiko in der Notfallmedizin, die Zweite…

Ich muss gestehen, dass meine Mitstudenten und ich für die medizinische Statistik früher nie viel übrig hatten. Auch war uns die Wichtigkeit des Verständnisses für derartige Inhalte früher wenig bewusst. Heute arbeiten ein paar von uns in der Notaufnahme und führen täglich Tests  an Patienten durch die weder 100%ige Sensitivität noch Spezifizität haben. Trotzdem bezeichnen wir diese als „beweisend für“ oder „Ausschluss einer“ speziellen Diagnose. Dies ist bei näherem Nachdenken offensichtlich nicht korrekt.  Weiterlesen

Notfallmedizin-Links: ERCast – kann man den D-Dimer Normalwert anheben?

Die wahren Vordenker der Notfallmedizin publizieren zwar noch immer in den etablierten Journals, aber die Inhalte werden via Netz schon um einiges schneller weiterverbreitet als in der traditionellen Art. Mal ein Gedankenspiel:

Was wäre wenn man zum Beispiel den Cut-Odd Wert für D-Dimer bei Lungenembolieverdacht anheben könnte, sagen wir einfach mal um das Doppelte? Weiterlesen

Statistik oder „Der Hund, der Eier legt“

Heute ein etwas leidiges Thema. Statistik in der Medizin, wer hat sich da nicht rumgedrückt und bei den häufig knochentrockenen Vorlesungen in den Englischen Garten verzogen: Der Medizinstudent, der Arzt, …. In unseren letzten Mikrofortbildungen habe ich mich über Sensitivität und Spezifität eines diagnostischen Tests unterhalten …. und mich entschieden, dass es vielleicht hilfreich ist, hierzu ein paar Worte zu verlieren.

Warum ist dies für einen Notfallmediziner wichtig? Nun ja, wir machen halt viel Diagnostik (Labor, Röntgen, etc), und da ist es eben wichtig, die Grundzüge der dazugehörenden Statistik zu kennen: Wer kennt nicht die Diskussionen ùber die D-Dimer Bestimmung und die Wichtigkeit der Bestimmung der Vortestwahrscheinlichkeit (z.B. Wells Score oder Geneva Score) oder über die neuen Troponin-Grenzwerte (ganz einfach: niedrigere Werte haben eine breite Differentialdiagnose, hohe Werte oder große Delta im Verlauf wenige Differentialdiagnosen …. ) und dazu braucht man, so wollte es der liebe Gott, auch statistische Grundkenntnisse. Erleichtert die klinische Arbeit ungemein. Wirklich!

Nun, ich kann Euch nun hier nicht diese Grundkenntnisse en detail vermitteln, aber zumindest Appetit auf mehr machen …. und da wären wir bei dem Titel des Blogs: Das Buch ‚Der Hund der Eier legt‚ (wurde mir gestern während eines Vorstellungsgesprächs von einer frisch approbierten Ärztin empfohlen … die Bewerberin fängt jetzt bei uns an ;-). Aus meiner Sicht wirklich exzellent ist ein englischsprachiges Buch (extrem gut zu lesen, sehr praxisorientiert).

Aber warum in die Ferne schweifen …. im Deutschen Ärzteblatt gibt es eine Statistikserie mit toll geschriebenen, wirklich praxisnahen Artikeln zur Statistik (zwar auf das Lesen von Fachartikeln abgestimmt, diese Serie vermittelt aber mehr). Auch ein Klasse Artikel zu diagnostischen Tests ist dabei. Und Folien von biostatistischen Instituten helfen ebenfalls weiter ….. lassen Sie sich darauf ein! Wird wirklich helfen, die erhobenen Befunde zu interpretieren …. jede Auskultation, jede Temperaturmessung ist schließlich ein „diagnostischer Test“.

Die Zusammenhänge von Sensitivität, Spezifität und Positiv sowie Negativ Prädiktivem Wert in Abhängigkeit von der Prävalenz sind hervorragend und verständlich in dem Artikel von W. Bautsch beschrieben … die Diskussionen über Troponin und D-Dimere sollten dann der Vergangenheit angehören!

Also, nicht frustrieren lassen … vielleicht gibt es ja noch die Chance, sich etwas unter den Weihnachtsbaum legen zu lassen ….. Der Hund der Eier legt …. warum nicht?

Ich wünsche Ihnen allen ein Frohes Weihnachtsfest! Auch wenn viele von uns ihren Dienst über die Feiertage ableisten, hoffe ich trotzdem, dass Sie im Kreis ihrer Lieben auch besinnliche Momente finden weden.