Daily Drama part 2 – Der Patient mit Schwindel in der Notaufnahme

Vor kurzem hatten wir uns ja in einem ersten Schritt damit beschäftigt, welche Schritte wir bei einem Paitenten mit Schwindel zunächst gehen sollen (Differenzierung zwischen „richtigen Schwindel“; Gleichgewichtsstörung, Beinahesynkope, unspezifische Symptome (=Light-Headedness).

Nun wollen wir uns damit beschäftigen, wir wir Patienten mit einer zentralen Ursache des Schwindels am Günstigsten identifizieren.

Leider gibt es zu dieser Frage wenig Evidenz-basierte Vorgehensweisen. Dies führt dazu, dass viele Patienten mit akuten vestibulären Syndromen falsch diagnostiziert werden.

Jan Welker hat mich auf einen wirklich lesenswerten Artikel aus dem Jahr 2011 hingewiesen. Die Autoren versuchen über eine systematische Literatursuche uns Aufschluß zu geben, welche Tests idealerweise angewendet werden sollen, um Patienten mit einer zerebrovaskulären Ursache von Schwindel zu identifizieren. Schön, dass dieser Artikel frei zugänglich ist.

Den Artikel in wenigen Worten zusammenzufassen ist leider nicht möglich. Aus diesem Grund erlaube ich mir, auf das Lesen des Originalartikels hinzuweisen. Es lohnt sich!

Selbstverständlich werde ich in weiteren Ausgaben von „Daily Drama“ detaillierter auf verschiedene Untersuchungstechniken eingehen

Daily Drama part 1 – Der Patient mit Schwindel

Ich bin mir nicht drüber im Klaren, ob die Thematik „Schwindel“ nur ein Problem eines Maximalversorgers ist (wo verschiedene Fachspezialisten sich um diese Thematik kümmern) oder auch kleinere Häuser ähnliche Probleme ist.

Einen schönen Überblick hatte ja bereits Jan Welker gegeben. Einfach nochmals kurz in Erinnerung gerufen.

Was mein ich? Nun, ein Patient kommt mit Schwindel in die Notaufnahme. In Abhängigkeit davon, wen er als Erstes sieht (Neurologe oder HNO-Arzt oder Internist) bekommt er ein CT oder nicht. Und dann geht die Reise los. Wie kann man damit besser umgehen?
Nun, ich finde eine Arbeit aus dem Am Fam Physician 2010 sehr, sehr hilfreich. Der Artikel ist frei downloadbar und gibt eine immense Hilfe bei der systematischen Vorgehensweise zur Abklärung von Patienten mit Schwindel, die sich in der Notaufnahme vorstellen:

Als erstes muss der Notfallmediziner die „Form“ des Schwindels analysieren. Die deutsche Sprache ist hier etwas ungenau, da Patienten (und Mediziner) viele verschiedene Symptome unter dem Begriff „Schwindel“ subsummieren. Im Englischen würde man von „dizziness“ sprechen (Taumel, Schwindel)

Was meine ich?
Nun es gibt folgende Formen:
1) Den richtigen Schwindel (Drehschwindel oder Vertigo), d.h. dieses Symptom gibt den Hinweis, ob das vestibuläre System involviert ist.
2) Disequilibrium (schwierig in die deutsche Sprache zu übersetzen, ich würde sagen: gestörtes Gleichgewicht, Gangunsicherheit etc.)
3) Beinahe-Synkope oder Kollaps als Hinweis für eine Minderperfusion des Gehirns (Vorstufe der Synkope, d.h. Reduktion des zerebralen Blutflusses z.B. als Medikamentennebenwirkung, aber auch als kardiales Symptom z.B. bei Rhythmusstörungen)
4) „Light-Headedness“ (schwierig ins Deutsche zu übersetzen, vielleicht am ehesten: Benommenheit, komisches Gefühl im Kopf etc).

Zusammenfassend muss bei jedem Patienten, der sich mit dem Symptom Schwindel vorstellt, versucht werden, in eines dieser 4 Kategorien zu differenzieren. Dies geschieht am Besten mittels einer etwas detaillierteren Anamnese. Die Durchführung eines CCT in dieser Situation IST kontraindiziert. Das CCT sollte nur avisiert werden, wenn eine zentrale Störung vermutet wird. Meist liegen noch weitere Symptome vor!

Die weitere Differenzierung zeigt aus meiner Sicht sehr schön die Abb. 2 aus dieser Arbeit: