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Gemeinschaftlich, abgestuft und klar gesteuert – Die Notfallversorgung der Zukunft

In den letzten Wochen wurden viele Vorschläge für eine Neustrukturierung der Notfallversorgung in Deutschland auf den Weg gebracht. Das ist gut so, denn die medizinische Notfallversorgung in Deutschland muss dringend neu zentriert werden, um den gewachsenen medizinischen Aufgaben und den veränderten Rahmenbedingungen Rechnung zu tragen.

Die letzten Jahre haben gezeigt, dass die Patienten die Notaufnahmen der Krankenhäuser als zentrale Anlaufstellen für Notfallsituationen betrachten. Das ist gut für die Qualität der Notfallversorgung, denn in den Notaufnahmen stehen rund um die Uhr die erforderlichen diagnostischen Möglichkeiten und eine gesicherte fachärztliche Behandlungsqualität zur Verfügung. Innerhalb weniger Stunden ist klar, welche weitere Behandlung notwendig ist. Die besondere Herausforderung der Notfallmedizin ist, aus einer Vielzahl von unspezifischen Symptomen, lebensbedohliche Zustände rasch zu erkennen und unverzüglich zu behandeln. Bei einem  von 10 Patienten, die sich aus eigener Veranlssung in der Notaufnahme vorstellen, entpuppen sich scheinbare Lappalien als bedrohlicher Notfall.

Um jederzeit eine hochqualitative Notfallversorgung überall in Deutschland gewährleisten zu können, fordert die DGINA besondere Anstrengungen der Politik und der beteiligten Körperschaften.  Die DGINA unterstützt den begonnenen Restrukturierungsprozess bezüglich der Notfallversorgung in allen Belangen.  Die DGINA hält insbesondere die Stärkung der primärärztlicher Strukturen zur Versorgung weniger schwere Notfälle für dringend erforderlich, fordert aber auch, die personellen und strukturellen Vorhaltungen für die sekundäre, stationäre Notfallversorgung weiter zu entwicklen.

Folgende zentrale Forderungen für die Neustrukrurierung müssen dabei berücksichtigt werden:

  • Die Notfallversorgung muss gesetzlich umfassend definiert werden. Die DGINA fordert, dass gesetzlich festgelegt wird, dass die Notfallversorgung von Vertragsärzten und Notaufnahmen der Krankenhäuser gemeinschaftlich erbracht und koordiniert organisiert wird. Auch wenn eine Aufgabenteilung sinnvoll ist, darf die Organisation der Notfallversorgung durch eine sektorale Trennung nicht mehr behindert werden.
  • Jeder Patient der notfallmäßig medizinische Hilfe sucht, kann sich telefonisch und/oder  mittels einer online Hilfe medizinisch beraten lassen. Diese Möglichkeiten stehen rund um die Uhr zur Verfügung.
  • Die Notfallversorgung muss in Notfallzentren zusammengefasst und an den Krankenhäusern angesiedelt werden
  • Diese Notfallzentren müssen eine abgestufte Notfallversorgung anbieten, d.h. eine primärärztliche Versorgung ist rund um die Uhr in jede Notaufnahme zu integrieren.
  • Jeder Patient, der sich in einem Krankenhausnotfallzentrum  vorstellt, muss nach einem validierten Ersteinschätzungs-/Triagesystem auf seine Behandlungsdringlichkeit hin eingestuft werden. Auf Basis dieser Ersteinschätzung erfolgt eine Zuweisung in den primär- oder sekundärärztlichen Bereich des Notfallzentrums
  • In den Notfallzentren arbeiten in der Klinischen Notfall- und Akutmedizin weitergebildete Pflegekräfte und Ärzte. Die bei der Bundesärztekammer vorgeschlagene Zusatzweiterbildung „Klinische Akut- und Notfallmedizin“  muss zeitnah erwerbbar werden.
  • Die Notaufnahmen  benötigen die Möglichkeit, liegende Patienten für einige Stunden zu beobachten, um dann über eine weitere stationäre Behandlungsnotwendigkeit zu entscheiden
  • Die Qualität der Notfallsorgung muss beobachtet werden. Für lebensbedrohliche Krankheiten sind Diagnostik- und Versorgungszeiten zu messen und zentral zu erfassen.
  • Die Vergütung der Notfallversorgung muss in allen Bereichen für jeden Fall kostendeckend sein

Autor: Marten Scheibel
Abteilung: Pressestelle
Veröffentlicht: 14.10.2017


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