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Geringe Auslastung von Notaufnahmen? DGINA widerspricht Zi-Paper

Das Zi hat in seinem Paper zur Auslastung von Notaufnahmen an Krankenhäusern festgestellt, dass die Abrechnungszahlen der KV ergäben, dass ca. 17 Millionen Patienten die Notaufnahmen aufsuchen würden. Verlässliche Zahlen stehen dem ZI aber nur für einen Teil der ambulanten Patienten und nicht für die stationär aufgenommenen Patienten zur Verfügung. Die DGINA weist ausdrücklich darauf hin, dass die Abrechnungsdaten der Patienten durch die KV für die ambulanten Patienten nicht als Grundlage für derartige Erhebungen geeignet sind, da sie nicht dem gesamten Notaufnahmeaufkommen entsprechen. Auch können keine Rückschlüsse auf die Leistung der Notaufnahmen gezogen werden. Es fehlen in diesen KV-Berechnungen Patienten mit Privatversicherungen, Patienten in Universitätsnotaufnahmen, die direkt durch die Krankenkassen mittels einer Hochschulpauschale behandelt werden und Patienten mit Arbeitsunfällen, die über die Berufsgenossenschaften vergütet werden, ausländische Patienten sowie Patienten ohne Krankenversicherung. In einer Erhebung an Münchner Kliniken zeigt sich, dass eine alleinige Betrachtung der KV-Abrechnungszahlen das Patientenaufkommen in Notaufnahmen um bis zu 30 Prozent unterschätzt. Es muss also weiterhin mit einer Zahl von über 20 Millionen Notfallpatienten in Notaufnahmen gerechnet und auch für die Zukunft geplant werden.

 

DGINA fordert verlässliche Versorgung der Notfallpatienten

Die Berechnung des Zi zeigt weiterhin, dass die Zahl der Notaufnahmen so hoch sei, dass auf 24 Stunden hin gesehen selten mehr als 2 ambulante Patienten im Durchschnitt gesehen werden würden. Hierbei wird methodisch völlig vernachlässigt, dass das Patientenaufkommen einer Tagesrhythmik unterliegt. Es ist bekannt, dass das Aufkommen an ambulanten Notfallpatienten in den Notaufnahmen während der regulären Praxisöffnungszeiten besonders hoch ist, ab den Mittagsstunden ihr Maximum erreicht und die vom Zi ermittelte Durchschnittszahl deutlich überschreitet. Dies beweist, dass die KV-Bereitschaftspraxen, die nur außerhalb der Regeldienstzeit arbeiten, nicht ausreichen, alle Notfallpatienten mit einem niedrigen Gesundheitsrisiko im vertragsärztlichen Bereich verlässlich zu versorgen. Die DGINA fordert die KVen auf, gemeinsam mit den Krankenhäusern Strukturen zu schaffen, die 24/7 eine Notfallversorgung garantieren.

 

KBV bestätigt die DGINA : Notfallpatienten profitieren von Professionalisierung und Zentralisierung der Notfallmedizin 

Schließlich stellen die Autoren des Zi-Papers fest, dass eine Zentralisierung von Gesundheitsleistungen auch in der Notfallmedizin die Qualität erhöht. Auch wenn die Zahlen der Veröffentlichung diese Hypothese nicht stützen können, weil keine Qualitätsmaße erhoben wurden, stimmt die DGINA mit diesem Fazit grundsätzlich überein. Zentralisierung allein ist dabei aber nicht ausreichend. Nur Notfallteams, die viele Notfälle gesehen und behandelt haben, sind in der Lage eine hohe Qualität der Notfallversorgung zu garantieren. Das betrifft insbesondere die zeitkritische Versorgung schwerkranker Patienten. Zum kassenärztlichen Bereitschaftsdienst werden Ärzte verpflichtet, die in ihrem täglichen Arbeitsfeld nur selten Kontakt zu Notfallpatienten haben, wie zum Beispiel Augenärzte. Gelegentlicher Notfalldienst in einer Bereitschaftspraxis ist ebenso wenig qualitätsfördernd wie auf Klinikseite gelegentliche Dienste oder Rotationen für einige Monate im Rahmen der Facharztweiterbildungen. Das ist aber die Realität der Notfallversorgung in vielen deutschen Regionen und dies gefährdet die Patientensicherheit, vor allem die von schwer erkrankten Notfallpatienten. Neben der erfolgreichen Etablierung einer Ausbildung der Notfallpflege fordert die DGINA deshalb das Berufsbild des Notfallmediziners auch in Deutschland einzuführen und zumindest die Zusatzweiterbildung „Klinische Notfall- und Akutmedizin“ in der Musterweiterbildungsordnung festzuschreiben. Gleichzeitig muss ein attraktives Arbeitsumfeld für alle in der Notfallmedizin tätigen Professionen geschaffen werden. Voraussetzung dafür ist eine auskömmliche Finanzierung.


Autor:
Abteilung: Vorstand
Veröffentlicht: 21.12.2017




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