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Qualitätssprung durch neue Zusatzweiterbildung in klinischer Notfallmedizin: Interview mit DGINA-Präsident Prof. Dr. Christoph Dodt

Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensivmedizin und Notfallmedizin (DIVI) und die Deutsche Gesellschaft interdisziplinäre Notfall- und Akutmedizin (DGINA) haben sich auf einen gemeinsamen Antrag für eine Zusatzweiterbildung »Klinische Notfall- und Akutmedizin« für die Musterweiterbildungsordnung verständigt.

 

DIVI und DGINA führen ihre konkurrierenden Vorschläge für die Revision der Musterweiterbildungsordnung zusammen. Wie ist diese Entwicklung aus Sicht der DGINA zu bewerten? 

Prof. Christoph Dodt: Es ist ein klassischer Kompromiss, bei dem jede Seite über ihren Schatten springen musste. Geeint hat uns der Wunsch, die Notfallversorgung zu verbessern und ärztlichem Personal endlich eine berufliche Perspektive bieten zu können, die zu einer langjährigen Arbeit in der klinischen Notfallmedizin motiviert. Zudem wird mit der Zusatzweiterbildung nun allgemein anerkannt, dass die Notfallmedizin nicht nur im präklinischen, sondern insbesondere auch im klinischen Bereich besondere Charakteristika und Inhalte aufweist, die eines speziellen Ausbildungscurriculums bedürfen. Diese Entwicklung wird künftig auch von der DIVI und ihren Mitgliedern mitgetragen und inhaltlich unterstützt.

 

Aber das Curriculum der europäischen Notfallgesellschaft EusEM wird mit der Zusatzweiterbildung nicht erfüllt, oder? Schließlich werden dort drei Jahre Tätigkeit in der Akut- und Notfallmedizin gefordert; der Vorschlag setzt die Weiterbildungszeit allerdings nur auf zwei Jahre fest. 

Dodt: Auch in Deutschland werden es insgesamt drei Jahre sein. Erreicht wird das durch die Kombination der Weiterbildungszeit in der Notaufnahme mit den Eingangsvoraussetzungen für den Erwerb der Zusatzweiterbildung. Eine dieser Voraussetzungen ist etwa die Zusatzbezeichnung »Notfallmedizin«, die unter anderem eine halbjährige Tätigkeit in einer Notaufnahme, in der Anästhesie oder auf einer Intensivstation erfordert. Zusätzlich zu diesem halben Jahr muss noch ein weiteres halbes Jahr auf einer Intensivstation erbracht werden. Wenn sich daran dann noch die zweijährige Weiterbildung in einer Notaufnahme anschließt – wohlgemerkt ganztägig und in Vollzeit – so ist das aus meiner Sicht nicht nur ein großer Qualitätssprung, sondern auch konform mit dem Curriculum der EuSEM.  

 

Und was wird jetzt aus dem Facharzt für Notfallmedizin in Deutschland? 

Dodt: Die Idee des Facharztes für Notfallmedizin lebt weiter. Ich glaube, die klinische Notfallmedizin ist in Deutschland noch ein zartes Pflänzchen, das Hege und Pflege bedarf und keiner hinderlichen Grundsatzdiskussion, ob es sich um Unkraut oder eine Nutzpflanze handelt. Mit der Zusatzweiterbildung haben wir einen gemeinsamen Nenner gefunden, auf dem wir unsere Fachlichkeit weiter entwickeln können. Ob sie für die Qualität und das Aufgabenspektrum der Notfallversorgung ausreicht, wird sich mit der Zeit zeigen.   

 

Ab wann kann die Zusatzweiterbildung denn erworben werden?

Dodt: Zunächst werden wir Mitte April die Vorschläge der DIVI und der DGINA in einer gemeinsamen Arbeitsgruppe zusammenführen und den Antrag anschließend bei der Bundesärztekammer einreichen. Realistisch könnte dann auf dem Ärztetag 2017 darüber abgestimmt werden. Bei einer positiven Entscheidung sind dann die Landesärztekammer gefordert, die Regelung zu übernehmen und die Zusatzweiterbildung umzusetzen. Zudem müssen Übergangsregelungen für die Kolleginnen und Kollegen bestimmt werden, die schon langjährig in der Notaufnahme tätig sind. 

Das Interview führte DGINA-Pressesprecher Marten Scheibel.

 


Autor: Marten Scheibel
Abteilung: Pressestelle
Veröffentlicht: 17.11.2016



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Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensivmedizin und Notfallmedizin (DIVI) und die Deutsche Gesellschaft interdisziplinäre Notfall- und Akutmedizin (DGINA) haben sich auf einen gemeinsamen Antrag für eine Zusatzweiterbildung »Klinische Notfall- und Akutmedizin« für die Musterweiterbildungsordnung verständigt.

 

DIVI und DGINA führen ihre konkurrierenden Vorschläge für die Revision der Musterweiterbildungsordnung zusammen. Wie ist diese Entwicklung aus Sicht der DGINA zu bewerten? 

Prof. Christoph Dodt: Es ist ein klassischer Kompromiss, bei dem jede Seite über ihren Schatten springen musste. Geeint hat uns der Wunsch, die Notfallversorgung zu verbessern und ärztlichem Personal endlich eine berufliche Perspektive bieten zu können, die zu einer langjährigen Arbeit in der klinischen Notfallmedizin motiviert. Zudem wird mit der Zusatzweiterbildung nun allgemein anerkannt, dass die Notfallmedizin nicht nur im präklinischen, sondern insbesondere auch im klinischen Bereich besondere Charakteristika und Inhalte aufweist, die eines speziellen Ausbildungscurriculums bedürfen. Diese Entwicklung wird künftig auch von der DIVI und ihren Mitgliedern mitgetragen und inhaltlich unterstützt.

 

Aber das Curriculum der europäischen Notfallgesellschaft EusEM wird mit der Zusatzweiterbildung nicht erfüllt, oder? Schließlich werden dort drei Jahre Tätigkeit in der Akut- und Notfallmedizin gefordert; der Vorschlag setzt die Weiterbildungszeit allerdings nur auf zwei Jahre fest. 

Dodt: Auch in Deutschland werden es insgesamt drei Jahre sein. Erreicht wird das durch die Kombination der Weiterbildungszeit in der Notaufnahme mit den Eingangsvoraussetzungen für den Erwerb der Zusatzweiterbildung. Eine dieser Voraussetzungen ist etwa die Zusatzbezeichnung »Notfallmedizin«, die unter anderem eine halbjährige Tätigkeit in einer Notaufnahme, in der Anästhesie oder auf einer Intensivstation erfordert. Zusätzlich zu diesem halben Jahr muss noch ein weiteres halbes Jahr auf einer Intensivstation erbracht werden. Wenn sich daran dann noch die zweijährige Weiterbildung in einer Notaufnahme anschließt – wohlgemerkt ganztägig und in Vollzeit – so ist das aus meiner Sicht nicht nur ein großer Qualitätssprung, sondern auch konform mit dem Curriculum der EuSEM.  

 

Und was wird jetzt aus dem Facharzt für Notfallmedizin in Deutschland? 

Dodt: Die Idee des Facharztes für Notfallmedizin lebt weiter. Ich glaube, die klinische Notfallmedizin ist in Deutschland noch ein zartes Pflänzchen, das Hege und Pflege bedarf und keiner hinderlichen Grundsatzdiskussion, ob es sich um Unkraut oder eine Nutzpflanze handelt. Mit der Zusatzweiterbildung haben wir einen gemeinsamen Nenner gefunden, auf dem wir unsere Fachlichkeit weiter entwickeln können. Ob sie für die Qualität und das Aufgabenspektrum der Notfallversorgung ausreicht, wird sich mit der Zeit zeigen.   

 

Ab wann kann die Zusatzweiterbildung denn erworben werden?

Dodt: Zunächst werden wir Mitte April die Vorschläge der DIVI und der DGINA in einer gemeinsamen Arbeitsgruppe zusammenführen und den Antrag anschließend bei der Bundesärztekammer einreichen. Realistisch könnte dann auf dem Ärztetag 2017 darüber abgestimmt werden. Bei einer positiven Entscheidung sind dann die Landesärztekammer gefordert, die Regelung zu übernehmen und die Zusatzweiterbildung umzusetzen. Zudem müssen Übergangsregelungen für die Kolleginnen und Kollegen bestimmt werden, die schon langjährig in der Notaufnahme tätig sind. 

Das Interview führte DGINA-Pressesprecher Marten Scheibel.

 

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